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Eines muss man Donald Trump lassen: Er weiß sich zu inszenieren. So auch bei seinem ersten Truppenbesuch im Irak. Der US-Präsident lobte die eigenen Soldaten, posierte für Selfies und las den Verbündeten die Leviten nach der Devise: Wir lassen uns nicht länger ausnutzen. Das war Propaganda pur von einem Politiker, der zu Hause in großen Schwierigkeiten steckt. Geschlossene Verwaltungen, Rücktritt des allseits respektierten Verteidigungsministers, Russlandaffäre, sinkende Aktienkurse: von all dem möchte Trump die Öffentlichkeit und insbesondere die eigenen Anhänger gerne ablenken.

Dies ist ihm auch gelungen, aber nur kurzzeitig. Denn klar bleibt: Allein mit schönen Bildern und großen Worten lassen sich Probleme nicht lösen, sondern nur verdecken. Im Gegenteil, der Wunsch nach schnellem Beifall kann manche Situationen sogar deutlich verschlechtern.

Beispiel Syrien. Der für die dortigen US-Truppen verkündete Abzug ruft neue Gefahren für die gesamte Region hervor. Die militärische und damit auch politische Machtbalance wird zu Gunsten des Iran und Russlands verschoben. Die negativen Folgen etwa für die Kurden, aber auch für Israels Sicherheit sind beträchtlich. Alle demokratisch und westlich orientierten Menschen der Region müssen sich erneut von den Amerikanern verraten fühlen. Der Nährboden für zunehmende Gewalt und wachsenden Terrorismus könnte besser kaum bereitet werden.

All dies zusammen schadet den langfristigen Sicherheitsinteressen der USA und ihrer Verbündeten. Aber Trump geht darüber hinweg, weil er sich so kurzfristig höhere Sympathiewerte verspricht. Zwar setzt sich der Präsident als Oberbefehlshaber einer Weltmacht in Pose, indem er Truppen im Auslandseinsatz besucht. Doch faktisch hat er diese Rolle abgelegt und ist längst in den Wahlkampf für die nächste Amtszeit übergegangen. Damit drohen neue Risiken durch Trumps Neigung, internationale Verpflichtungen und Interessen als meist schädlich für die USA darzustellen.

Die nächste Belastungsprobe zeichnet sich in Afghanistan ab. Wie im Fall Syrien erwägt Trump, auch von dort US-Truppen ohne Absprachen abzuziehen. Die Taliban können frohlocken. Dagegen müssen Europa und insbesondere Deutschland alarmiert sein. Sie können sich weniger denn je auf diesen US-Präsidenten verlassen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)