Die Debatten nach der Erkrankung Hillary Clintons wirken recht bizarr. Geht es im amerikanischen Wahlkampf denn nur darum, wer am gesündesten für das Präsidentenamt ist? Auf der Strecke bleiben die inhaltlichen Auseinandersetzungen. Und die sind wichtiger als weitere medizinische Details, zumal auch das jetzt veröffentlichte Bulletin über Clinton keine ernsthaften Argumente für oder gegen ihre Kandidatur enthält.

Donald Trumps jüngster Fernsehauftritt war ebenso nichtssagend. Nur eines wird noch deutlicher: die Niveaulosigkeit und Irrationalität eines Wahlkampfs, dessen Ausgang von größter Auswirkung auf die Weltpolitik ist. Denn die entscheidende Frage, wer Barack Obama nachfolgen soll, können die US-Bürger nicht auf Ärzte abschieben. Diese sind damit schlicht überfordert. Mehr noch: deren Bulletins sollen zur Waffe im Wahlkampf werden. Das Wohl der untersuchten Person – egal ob Clinton oder Trump – spielt ohnehin keine Rolle. Alles andere wäre weltfremd. Wer dem Weißen Haus schon so nahe gekommen ist, will sich den Eintritt wohl kaum von seinem Hausarzt verbieten lassen.

Gewiss, ein amerikanischer Präsident sollte körperlich fit genug sein, um das kräftezehrende Amt angemessen auszuüben. Aber dieser Punkt sollte auch nicht überstrapaziert werden, zumal zwei der heute noch prominentesten Präsidenten des vorigen Jahrhunderts ihr Amt trotz Behinderung oder Krankheit vorbildlich ausgeübt haben: Franklin D. Roosevelt saß im Rollstuhl und John F. Kennedy litt unter anderem an schweren Rückenproblemen.

Viel wichtiger als die gesundheitliche sollte daher auch im Fall Clinton versus Trump die fachliche und charakterliche Eignung des jeweiligen Kandidaten sein. Und da gibt es gewaltige Unterschiede. Die ehemalige First Lady hat sich in vielen Jahren bestens auf die angestrebte Aufgabe vorbereitet. Der Baulöwe und Milliardär setzt dagegen quasi aus dem Stand auf den ganz großen politischen Jackpot, ohne recht zu wissen wie er ihn später bei einem Sieg nutzen soll. Das ist Spekulation pur. Nur dass es dieses Mal nicht bloß um das Privatvermögen des Herrn Trump geht, sondern um die Zukunft der USA und der internationalen Politik – ein ungleich höherer Einsatz.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)