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Der Bericht von Kurt Beck über die Spätfolgen des Terroranschlags auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz ist bedrückend. Die Angehörigen der Opfer fühlen sich mit ihrem seelischen Leid und mit vielen materiellen Nöten vom Staat alleingelassen. Als Beauftragter der Bundesregierung hat Beck dafür klare Worte gefunden.

Doch das reicht nicht. Die Menschen, die Verwandte und Freunde verloren haben, müssen auch von höchster Stelle deutlich mehr Solidarität und Empathie erfahren, sprich von Bundespräsident und Kanzlerin. Zudem sind Becks Reformvorschläge möglichst rasch und umfassend umzusetzen. Das ist das Mindeste, was für Menschen getan werden, die nach einem Terroranschlag und massiven Behördenfehlern vor dem Nichts stehen.

In anderen Staaten ist die Opferhilfe nach Erkenntnissen Becks teilweise besser geregelt. Daran sollte sich Deutschland orientieren. Denn niemand kann ausschließen, dass es auch hierzulande wieder zu einem blutigen Anschlag kommen könnte. Darauf müssen Staat und Gesellschaft wirksamer und sozial einfühlsamer vorbereitet sein als nach der terroristischen Attacke auf die Besucher des Weihnachtsmarkts am Berliner Breitscheidplatz vor einem Jahr.

Hierbei geht es um mehr Geld. Doch ebenso wichtig sind effektiverer Schutz bei Risikoveranstaltungen sowie eine ehrlichere Kommunikation, wenn es doch zum Schlimmsten gekommen ist. Unerträglich waren etwa die Versuche von Behörden und einzelnen Beamten, die Fehler im Fall des Berliner Attentäters Amri zu verharmlosen oder gar zu vertuschen. Die Angehörigen der Opfer mussten sich durch ein solches Verhalten tief getroffen fühlen. Der Eindruck verfestigte sich, von Staat und Politik in der Trauer und in unverschuldeter Notlage allein gelassen worden zu sein.

Die Arbeit von Kurt Beck kann vor diesem Hintergrund nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie ist Ausdruck eines politischen Umdenkprozesses nach Wochen, ja Monaten des Schweigens und der Hilflosigkeit. Das war überfällig. Denn der Schutz seiner Bürger gehört zu den vornehmsten Aufgaben des Staats. Dazu gehört auch, sich in besonderen Situationen von Anfang an systematisch um die trauernden Angehörigen von Terroropfern zu kümmern.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)