Das Nein von Ärztepräsident Montgomery zur medizinischen Altersfeststellung von Asylbewerbern sollte nicht überbewertet werden. Es ist nur eine Stimme von vielen in der Debatte um den richtigen Umgang mit Flüchtlingen. Fachlich gibt es auch gegenteilige Meinungen und politisch erst recht. Denn die entsprechenden Untersuchungen inklusive Röntgenbild sind zwar ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit. Aber er ist nur geringfügig. Und vor allem gibt es übergeordnete Gründe, die dem Staat das Recht zu derartigen Zwangsmaßnahmen geben. Man denke etwa an die Impfpflicht, wo die Güterabwägung auch zu Gunsten des Allgemeininteresses ausfällt.

Entscheidend ist, dass der Missbrauch von Asylrechten möglichst erschwert wird, um den tatsächlich Schutzsuchenden umso besser helfen zu können. Bleiben dagegen die bestehenden Schlupflöcher offen, dürfte dies nur zu weiterer Fremdenfeindlichkeit führen – eine Entwicklung, die es unbedingt zu verhindern gilt.

Wer in Deutschland Schutz vor Verfolgung oder Diskriminierung sucht, muss sich an die hiesigen Gesetze und Gepflogenheiten anpassen. Dies ist ein völlig selbstverständlicher Vorgang, vergleichbar mit dem Besuch als Gast in einem fremden Haus. Umgangsformen, Geben und Nehmen müssen hier in einem adäquaten Verhältnis zueinander stehen. Wer dies nicht respektiert, ist nicht willkommen – im privaten wie im öffentlichen Bereich. Das ist in allen Kulturen gleichermaßen der Fall.

Natürlich ist die ärztliche Altersfeststellung von Asylbewerbern kein Patentrezept, um Betrügereien zu verhindern. Auch hierbei kann es Grenzfälle und Ungenauigkeiten geben. Doch ein wichtiges Indiz bleibt dieses Verfahren allemal. Und die dabei entstehenden Kosten wiegen gering im Vergleich zu den Ausgaben, die für einen falsch eingestuften „Jugendlichen“ entstehen, der in Wahrheit bereits erwachsen sind.

Die Bürger müssen zudem das Vertrauen behalten, dass die Behörden auch an die Belange und insbesondere an die Sicherheit der örtlichen Bevölkerung denken. So können etwa junge Männer, die sich die weitergehenden Schutzrechte von Kindern erschlichen haben, durchaus zum Risiko werden. Grund sind Fehleinschätzungen im persönlichen Umgang. Man denke hier etwa an den schrecklichen Eifersuchts-Mordfall im rheinland-pfälzischen Kandel…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)