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Wie wichtig eine möglichst enge und vertrauensvolle Kooperation zwischen Paris und Berlin ist, zeigt das Besuchsprogramm von Emmanuel Macron und Angela Merkel in dieser Woche. Erst macht der Franzose seine Aufwartung bei Donald Trump, dann die deutsche Kanzlerin. Beide haben damit die große Chance, mit verteilten Rolle das gleiche Ziel zu erreichen: den US-Präsidenten offener für europäische Anliegen und Ansichten zu machen.

Für die EU und speziell Deutschland ist dies von herausragender Bedeutung – sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Denn die Qualität der Beziehungen zu den USA entscheidet ganz wesentlich mit darüber, wie sicher und gut es sich hierzulande leben lässt.

Trump dürfte dies egal sein. Westliche Solidarität gehört nicht zu seinem Wortschatz. Für ihn zählt erklärtermaßen nur America First. Doch eine funktionierende transatlantische Partnerschaft setzt gleiche politische Augenhöhe voraus, was für den selbstverliebt auftretenden Trump im Grunde eine Zumutung bedeutet.

Andererseits haben die Europäer einiges zu bieten, das Trumps Klientel auf sehr handfeste Weise nützt: Geschäfte, Investitionen, militärische Unterstützung sowie eine geschickte und erfahrene Diplomatie im Dienste westlicher und damit auch amerikanischer Interessen. All dies muss der US-Präsident bedenken, bevor er die Konflikte mit der EU vorschnell weiter auf die Spitze treibt – Stichworte Zollerhöhungen, Iranabkommen, Syrienkrieg oder auch die heiklen Beziehungen zu Russland.

Macron und Merkel können vor diesem Hintergrund durchaus selbstbewusst in den USA auftreten. Wichtig ist nur, bei all den strittigen Themen gegenüber dem US-Präsidenten an einem Strang zu ziehen. Denn beide haben jeweils für sich genommen nicht das strategische Gewicht, um bei Trump Konzessionen zu Gunsten ihrer Länder zu erreichen. Mit der EU als Ganzes im Rücken sieht dies jedoch schon anders aus.

Gewiss fällt es schwer, so stark um einen eitlen Egoisten wie Donald Trump werben zu müssen. Aber es gibt dazu keine Alternative. Trump ist nun mal im Amt, und speziell für Deutschland sind die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten „das zweite Grundgesetz“, wie Walter Leisler Kiep einmal treffend gesagt hat.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)