Donald Trumps Pläne für eine Mond- und Marsmission sind ein reines Ablenkungsmanöver. Sie sollen die Phantasie anregen, die Nation beeindrucken und die vermeintliche Tatkraft des Präsidenten unterstreichen. Nichts davon hat mit der politischen Wirklichkeit der heutigen USA zu tun. Denn anders als zu Zeiten von John F. Kennedy, der vor über 50 Jahren die Amerikaner für das erste Mondprojekt begeistern konnte, stehen Trump und die NASA mit leeren Händen da: Keine weitergehende Vision, kein Budget, keine konkrete Zeitplan. Und zuhause häufen sich die Probleme und Skandale. Da würden viele US-Bürger wohl am liebsten Trump selbst auf den Mond schicken.

Schon deshalb spricht nichts dafür, dass die amerikanische Raumfahrt jetzt zu alter Strahlkraft und Bedeutung zurückfindet. Im Übrigen hatten sich ähnliche Ankündigungen der früheren Präsidenten Bush senior und Bush junior in den Jahren 1989 und 2004 am Ende auch als politische Luftnummern erwiesen: zu teuer, zu schwierig, zu wenig populär. Und Trump hat nur schwachen Rückhalt im Kongress. Die Abgeordneten und Senatoren dürften die neuen Pläne des Präsidenten daher kaum mit Vergnügen und Vorrang behandeln.

Dem Weißen Haus kann dies egal sein. Der Chef hatte seinen medienwirksamen Auftritt, das eigentliche Ziel der Mission ist damit erfüllt. Über all dies könnte man gelassen hinweggehen, wenn Trump sich wenigstens sonst seriös den großen Problemen des Landes widmen würde: Von Armut über innere Sicherheit, der Waffengesetzgebung bis hin zu Umwelt- und Klimaschutz. Doch hier ist die Bilanz verheerend. Der Präsident kann keine inhaltlichen Erfolge vorweisen, sondern lediglich bei seinen Getreuen deren Vorurteile verstärken und weitere Ressentiments schüren.

Trump führt die Nation nicht. Er spaltet sie systematisch seit Beginn seiner Präsidentschaft. Da können auch noch so spektakuläre Ankündigungen wie Mond- und Marslandungen keine parteiübergreifende Einigkeit mehr stiften. Sie werden unter der Rubrik Populismus und Propaganda abgehakt. Schade, denn die Raumfahrt hätte mehr und ernsthaftere Unterstützung als jetzt durch Trump verdient. Ihre wissenschaftliche Bedeutung und ihr praktischer Nutzen sind groß. Dafür mehr Begeisterung in der Bevölkerung zu wecken wäre aller Ehren wert…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)