Die Proteste in den USA gegen die ersten Maßnahmen von Donald Trump sind aller Ehren wert. Doch sie zeigen bislang keine Wirkung. Auch die Nominierung von Neil Gorsuch zum Richter am Obersten US-Gerichtshof ändert daran nichts. Der Auserwählte ist zwar fachlich qualifiziert und im Ton verbindlich, aber gleichwohl stockkonservativ. Damit scheint Trump weiterhin in Washington wie ein Herrscher über eine soeben eroberte Stadt regieren zu wollen: Brutal, arrogant, ohne Wissen um wichtige Fakten und mögliche Risiken.

Das passt leider zum Bild, das er stets von sich selbst gezeichnet hat. Denn eines muss man Donald Trump lassen: Der Mann bleibt sich treu. Was er im Wahlkampf versprochen hat, versucht er in rasender Geschwindigkeit eins zu eins umzusetzen. Einarbeitung, Expertise, Erfahrung sind Fremdworte für den neuen Präsidenten. Er hält sich für den Klügsten, Wichtigsten, Tatkräftigsten. Trump weiß alles besser, Hinweise und Hilfestellungen von Beamten gelten als Störfeuer von unfähigen Bedenkenträgern. Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man lachen. Doch hier geht es um den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Und da hört der Spaß auf.

Was tun? Immer mehr Amerikaner scheint zu dämmern, wie tiefgreifend der neue Mann im Weißen Haus das Land spalten und verändern will. Ihr Protest dagegen kann nur moralisch unterstützt werden. Aber das reicht nicht. Europäer und insbesondere auch die Deutschen müssen selbst aktiv werden, um Unheil abzuwenden. Denn Trumps Politik kann den alten Kontinent massiv beeinflussen – politisch, wirtschaftlich und auch militärisch.

Dagegen heißt es sich zu wappnen. EU-Ratspräsident Donald Tusk hat hierzu in seinem Brief an die Mitgliedsstaaten den richtigen Ton angeschlagen: Stärkung der Europäischen Union durch größeres Solidarität im Inneren und geschlossenes Auftreten nach außen.

In solch unsicheren Zeichen muss sich die EU mehr auf ihre eigenen Kräfte besinnen, um sich weltweit und speziell gegenüber Trump zu behaupten. Denn Kritik und wohlmeinende Worte perlen an diesem Mann wirkungslos ab – siehe oben. Ihm können die Europäer nur mit Selbstbewusstsein und Stärke gegenüber treten. Sonst ergeht es ihnen am Ende ähnlich wie jetzt loyalen Mahnern in den Washingtoner Ministerien: Sie werden wie dumme Jungs belehrt, beschimpft und politisch in die Wüste geschickt…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)