Die bisher geäußerte Kritik am geplanten Zivilschutzkonzept mag politisch noch so legitim sein. Inhaltlich ist sie weltfremd und damit reichlich abwegig. Denn natürlich gehört es zu den wichtigsten Aufgaben einer jeden Regierung, die eigene Bevölkerung vor großen Gefahren und schweren Angriffen zu schützen. Eben dies wird mit dem neuen Konzept getan.

Dass der Zivilschutz nach Ende des kalten Kriegs sträflich vernachlässigt und de facto für überflüssig gehalten wurde, erklärt zwar teilweise die aktuelle Reaktion. Niemand will schließlich gerne an erledigt geglaubte Pflichten erinnert werden. Aber spätestens seit dem Ukraine-Krieg und den schweren Terroranschlägen in Frankreich und Belgien sollte jedem klar sein, wie schnell das Pendel in Richtung Krise umschlagen kann – von schweren Naturkatastrophen ganz zu schweigen.

Im Übrigen tritt ein Not-oder Unglücksfall nicht deswegen früher oder überhaupt ein, weil man sich gegen ihn wappnet – siehe die vielen privaten Versicherungen von Kfz über Haftpflicht bis Unfall. Die Wiederaufnahme des staatlichen Zivilschutzes sollte daher mit entsprechender Gelassenheit gesehen werden. Es gibt keinerlei Grund zu Angst oder Panik.

Gleichwohl sind die Risiken nicht nur politisch gewachsen. Auch technologisch ist Deutschland wie jeder andere Staat in Europa deutlich anfälliger und erpressbarer geworden. Ob Strom, Wasser, Elektrizität: Ohne funktionierendes Internet ist die Versorgung der Haushalte und Unternehmen zumindest kurzfristig nicht mehr vorstellbar. Und niemand kann garantieren, dass die jetzt schon zahlreichen Hackerangriffe stets ohne verheerende Wirkung bleiben. Dies gilt erst recht, wenn ein Staat oder eine Organisation die Intensität und Qualität solche Attacken in feindlich-terroristischer Absicht gewaltig steigert. Auch deswegen bleibt ein vernünftiger, gut organsierter Zivilschutz notwendig.

Hier ist zunächst jeder Einzelne gefordert. Denn im Fall der Fälle kann es dauern, bis Hilfe von außen kommt, wie immer die dann aussieht. Unter Umständen würde dies buchstäblich zu einer Frage von Leben und Tod werden. Das von der Bundesregierung geplante Zivilschutzkonzept sollte deswegen von der Opposition kritisch hinterfragt werden – allerdings nicht ob es überhaupt notwendig, sondern ob es umfassend und zugleich punktgenau genug ist.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)