Kaum im Amt als Außenminister, macht es Sigmar Gabriel zumindest in einem Punkt schon besser als sein Vorgänger Frank-Walter Steinmeier. Er fliegt sofort dorthin, wo ein schneller Besuch aus deutscher Sicht am dringendsten ist: in die USA, selbst wenn die Gespräche mit Vertretern der neuen Trump-Regierung alles andere als angenehm sein dürften. Dagegen hatte sich Steinmeier zu viel Zeit gelassen, um nach dem Putschversuch in die Türkei zu reisen.  Dies belastet das Verhältnis mit Ankara bis heute. Gabriel hat daraus zum Glück gelernt.

Denn klar ist: Die Beziehungen zu den USA sind für die Europäische Union und speziell die Exportnation Deutschland wirtschaftlich und sicherheitspolitisch von überragender Bedeutung. Da heißt es, möglichst frühzeitig mit einer neuen Regierung in Washington zu reden und Einfluss zu nehmen. Nach der Wahl Trumps ist dies noch wesentlich wichtiger als nach früheren Wechseln im Weißen Haus. Denn kaum jemals zuvor war der Umbruch so heftig. Gabriel wird daher viel zuhören und erläutern müssen.

Man kann nur hoffen, dass er einen vertrauensvollen Draht zu seinem gerade erst vereidigten Amtskollegen Rex Tillerson aufbauen kann – mehr dürfte momentan noch nicht möglich sein. Denn offenkundig sucht Trumps Team erst noch nach einem klaren Kurs. Die bisherigen Äußerungen aus dem Weißen Haus zur Außen- und Bündnispolitik sind jedenfalls mit den Begriffen wirre und kraftmeierisch eher noch milde umschrieben.

Entsprechend klar und selbstbewusst sollte Gabriel bei seinem USA-Besuch die deutschen und europäischen Aspekte herausstellen. Brüssel und Berlin wollen und werden nicht einfach nach Trumps Pfeife tanzen. Je früher die Verantwortlichen in Washington dies erkennen, desto besser. In einem solchen Klärungsprozess kann es durchaus ruppig zugehen, wie jüngst das offenbar von Trump vorzeitig abgebrochene Telefonat mit dem australischen Premier Malcolm Turnbull zeigte.

Sei´s drum, besser frühzeitig Gegenhalten und Klartext reden als durch Leisetreterei dauerhafte Missverständnisse über die eigene Position und Standfestigkeit erzeugen. Am Ende zählen nur die Ergebnisse, sprich die praktischen Folgen für die eigenen Bürger und Interessen. Und die sind arg bedroht, wenn die neue US-Regierung nahtlos an den bisherigen chaotischen und rüden Stil ihres Präsidenten anknüpfen sollte.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)