Niemand in Deutschland war im Jahr 2015 darauf vorbereitet, in aller Schnelle Hunderttausende Flüchtlinge zu integrieren. Da können schon mal Fehler passieren, so wie sie jetzt der Bundesrechnungshof bei der Agentur für Arbeit kritisiert. Deutschkurse wurden damals improvisiert – für unseriöse Anbieter eine günstige Gelegenheit, auf Kosten der Allgemeinheit kräftig abzukassieren.

Das ist kriminell. Und die Agentur muss aus den Fehlern lernen. Doch schmälern diese Vorkommnisse nicht das großartige und unbürokratische Engagement von zahllosen Staatsdienern und Ehrenamtlichen. Diese Helfer gilt es weiter zu motivieren und zu unterstützen. Deshalb müssen die vom Rechnungshof beanstandeten Geschehnisse zwar detailliert untersucht werden. Aber es sollte dabei zwischen strukturellen Defiziten und Fehlern unterschieden werden, die damals nur der hektischen Situation geschuldet waren. Denn eines darf keinesfalls geschehen: Bei den Mitarbeitern übertriebene Angst vor möglichen Fehlern erzeugen. So etwas lähmt.

Natürlich sollten im Zweifel alle Vorschriften und Vorsichtsregeln beachtet werden. Doch es muss in Ausnahmesituationen auch der Mut zu unkonventionellen Lösungen bestehen – mit allen Risiken, die dabei auftreten können. Eben dies war im Herbst und Winter 2015 der Fall, als Hunderttausende Flüchtlinge über die geöffneten Grenzen nach Deutschland kamen.

Unabhängig davon bleibt die Frage, wo und wie die Integrationshilfen für die Betroffenen besser und zugleich für die Steuerzahler billiger gemacht werden können. Hier lohnt es sich, sehr genau hinzuschauen. Denn das Flüchtlingsproblem dürfte langfristig eher zu- als abnehmen. Umso wichtiger wird es sein, die weitere Akzeptanz in der breiten Bevölkerung zu sichern. Das wird nur möglich sein, wenn die finanziellen Leistungen nicht zu Lasten anderer sozial Schwacher erfolgen. Und wenn ehrenamtliches Engagement von Privatpersonen seitens der Politik noch wirksamer unbürokratisch unterstützt und öffentlich herausgestellt wird.

Je mehr unkomplizierte, persönliche Solidarität mit Menschen, die sich in Deutschland integrieren wollen, desto besser für das spätere gesellschaftliche Zusammenleben. Behörden können so etwas nur begrenzt leisten, wie auch die vom Rechnungshof monierten Deutschkurse der Agentur zeigen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)