Der Amoklauf von München löst Trauer und Entsetzen aber auch viele Fragen aus. Was hat den jungen Mann zu seiner schrecklichen Tat letztlich veranlasst? Können die Sicherheitsvorkehrungen an Orten mit starkem Publikumsverkehr eventuell noch verbessert werden? Und vor allem: Wie lässt sich trotz eines massiven und schnellen Polizeieinsatzes die Gefahr von Panik in der Bevölkerung verringern? Denn während der jüngsten Ereignisse herrschte zeitweise große Verwirrung bis hin zu Gerüchten über weitere Täter und Anschläge. Auch die behördliche Krisenkommunikation gehört deshalb auf den Prüfstand.

Gewiss, die Münchner Polizei hat zeitnah gegenüber den Medien und im Netz informiert. Mehrsprachig wurden die Bürger auf dem Laufenden gehalten – das ist vorbildlich. Gleichwohl kursierten auf Grund von Fehlalarmen beängstigende Falschmeldungen. Das ist in Sachen Terrorismusbekämpfung eine absolute Schwachstelle. Denn anders als der Täter von München wollen etwa die Politkiller des Islamischen Staats möglichst flächendeckend Angst und Schrecken verbreiten. Dafür sind die Medien und Sozialen Netzwerke den Terroristen Mittel zum bösen Zweck. Je leichter sie dort falsche Horrormeldungen veranlassen können, desto stärker der Anreiz zu erneuten Gewalttaten. Insofern können unzureichende Krisenkommunikation und kursierende Fehlinformationen zum Sicherheitsrisiko werden. Aus den Ereignissen von München sollten daraus entsprechende Lehren für die Polizeiarbeit gezogen werden.

Auch in andere Hinsicht besteht Anlass zu genauer Aufarbeitung. Zwar waren die Beamten in München erfreulicherweise sehr schnell am Tatort. Auch die Kooperation mit den Sicherheitskräften aus anderen Bundesländern und sogar aus Österreich klappte vorbildlich. Da wurde im Vorfeld gute planerische Arbeit geleistet. Allerdings stellt sich auch hier das Thema Kommunikation. Weshalb konnten die Behörden so viele Fehlalarme nicht frühzeitiger unterbinden oder einordnen? Die fatale Konsequenz: Die Polizei ging lange von großangelegten Terroranschlägen statt von einem örtlich einzugrenzenden Amoklauf aus? Zusätzlich zum zuständigen SEK wurden deshalb aus Vorsicht massenhaft Polizeikräfte von weit her zusammengezogen, die naturgemäß an anderer Stelle fehlen – eine ideale Konstellation für Planer von konzertierten Terroraktionen wie kürzlich in Paris.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)