Die politische Aufregung über das bislang unbekannte Gespräch von Donald Trump mit Wladimir Putin ist berechtigt – egal, was die beiden Präsidenten am Rande des G20-Gipfels tatsächlich beredet haben. Denn der Verdacht der Vertuschung liegt nahe. Wäre alles nur Routine und der Inhalt unverfänglich gewesen, hätte der Kontakt ja nicht verschwiegen werden müssen. Immerhin bläst Trump doch sonst jeden noch so kleinen Erfolg gewaltig auf und posaunt ihn per Twitter in de Welt. Und ausgerechnet bei einer längeren Unterredung mit dem Kremlchef übt er Zurückhaltung?

Das wirkt wenig glaubhaft. Immerhin weiß inzwischen selbst der letzte Mitarbeiter des Weißen Hauses, wie heikel und gefährlich verheimlichte Russlandkontakte für den Präsidenten sind. Sie könnten ihn letztlich das Amt kosten. Noch ist es nicht soweit. Aber in jedem Fall bleiben immer mehr Punkte ungeklärt bis anrüchig. Dies gilt auch für das jüngste Gespräch Trumps mit Putin. Denn ob bewusste Täuschung von Medien und Bürgern, politische Dummheit oder schiere Gedankenlosigkeit – keine diese Möglichkeiten wirft ein gutes Licht auf den amerikanischen Präsidenten.

Einmal mehr erweist sich, wie ungeeignet Trump für sein hohes Amt ist. Selbst die eigene Partei reagiert mittlerweile zunehmend nervös. Sie folgt dem Präsidenten nicht mehr treu bei wichtigen Vorhaben, wie die jetzt gescheitere Abstimmung über die Gesundheitsreform Obamacare zeigt. Die republikanischen Senatoren und Abgeordneten sind alarmiert, weil der „Macher“ Trump nicht liefert: Keine wichtigen Gesetze durchgebracht, keine neuen Reformperspektiven aufgezeigt, keine Sympathiewerte in der Bevölkerung dazugewonnen.

All dies schwächt die ohnehin umstrittene Stellung Trumps in Washington weiter. Vor diesem Hintergrund muss der Präsident befürchten, dass er im Falle einer Zuspitzung der Russlandaffäre vollends den Rückhalt im Kongress verliert. Immerhin geht es hier um zwei der denkbar schwersten Anschläge auf die über zweihundert Jahre alte US-Demokratie: Wahlmanipulationen mit Hilfe einer fremder Macht sowie um Landesverrat. Und bei solchen Straftaten verstehen amerikanische Politiker – egal welcher Parteizugehörigkeit – keinen Spaß.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)