Das iranische Mullah-Regime verdient keinerlei Sympathie oder gar Solidarität. Es unterdrückt die Opposition, verletzt Menschenrechte, duldet Korruption und fördert den internationalen Terrorismus. Viel übler geht es kaum. Und dennoch heißt es, zurückhaltend und besonnen auf die jüngsten Proteste zu reagieren. Alles andere würde die Demonstranten nur in zusätzliche Gefahr bringen. Denn die Hardliner in Teheran warten nur auf einen Vorwand, um brutal durchzugreifen. Da könnten allzu kritische Worte aus Amerika und Europa schnell als ausländische Einmischung gebrandmarkt und friedliche Demonstranten als Agenten verteufelt werden – eine gefährliche, ja tödliche Kombination.

Vor diesem Hintergrund sind vor allem die reißerischen Tweets von Donald Trump kontraproduktiv. Der US-Präsident mischt sich offen in die Proteste ein, indem er Forderungen der Demonstranten ausdrücklich gutheißt und sie als Bankrotterklärung für die islamische Republik wertet. Damit gießt Trump Öl ins Feuer. Die möglichen Konsequenzen vor Ort scheinen ihm egal zu sein. Für ihn zählt, dass er sich vor seinen Anhängern profilieren, einen Feind der USA bloß stellen und so angeblich die Interessen der eigenen Nation fördern kann – America first eben.

Das ist der falsche Weg. Das Mullah-Regime können nur die Iraner selbst verändern oder auch abschaffen. Das Ausland muss sich darauf beschränken, die Achtung der Menschenrechte einzufordern. Jede weitergehende Einmischung wäre völkerrechtlich nicht gedeckt und obendrein politisch unklug.

Dazu gehört allerdings auch, der Regierung in Teheran mögliche Konsequenzen aufzuzeigen, falls sie ihrerseits die Lage eskaliert – Stichwort Sanktionen. Viel Wirkung sollte man sich davon aber nicht versprechen. Wenn es um die eigene Macht geht, haben die Khomeini-Nachfolger noch niemals irgendwelche Skrupel gezeigt.

Abgesehen davon, sind die Ziele der Demonstranten bislang ziemlich unklar. Wahrscheinlich wissen sie selbst nicht, worauf alles hinauslaufen soll. Insofern steht nur eines fest: Im Iran wächst der Unmut so stark, dass immer mehr Menschen bereit sind, den riskanten Konflikt mit dem Unterdrückungsapparat zu riskieren. Das verdient Respekt. Und es zeigt, dass auch die Macht von Mullahs nicht für die Ewigkeit gebaut ist…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)