Natürlich dürfen VW und die anderen deutschen Autokonzerne nicht vorverurteilt werden. Ihre Absprachen etwa über technische Details und Standards mögen zulässig, ja teilweise sogar sinnvoll gewesen sein. Dies befreit jedoch insbesondere Volkswagen nicht von der Pflicht, die Öffentlichkeit wesentlich umfassender als bisher zu informieren.

Die jüngste Aufsichtsratssitzung war in dieser Hinsicht enttäuschend.  Denn die juristische Aufarbeitung der Vorwürfe ist das Eine. Fast noch wichtiger ist die politische Schadensbegrenzung – für die betroffene Marke, für die Beschäftigten, für das Vertrauen der Verbraucher und nicht zuletzt für die Zukunft der Branche insgesamt.

Mangelnde Transparenz und eine defensive Kommunikation gefährden die Reputation der Konzerne. Wer einmal kungelt oder gar betrügt, dem glaubt man nicht mehr – so leider der fatale Eindruck, den immer mehr Beobachter von einem Schlüsselsektor der deutschen Wirtschaft gewinnen. Auch gute Bilanzzahlen, die VW jetzt für das erste Halbjahr vorlegte, ändern an dieser Krisensituation nichts. Was fehlt, sind überzeugende Visionen für eine saubere Zukunft in Sachen Umweltverhalten, Unternehmenskultur und Geschäftsgebaren.

Speziell bei VW liegt hier noch einiges im Argen. Dies ist besonders ärgerlich, weil das Land Niedersachsen große Anteile des Konzerns besitzt und dementsprechend eine wichtige Rolle im Aufsichtsrat spielt. Doch die dorthin entsandten Mitglieder der Landesregierung scheinen keinen Deut besser oder kritischer zu kontrollieren als die anderen Aufsichtsräte. Auch sie wollten bislang nicht ausschließen, dass sich gleichsam unter ihren Augen über Jahrzehnte ein Sumpf an Kungelei und möglichen Kartellvergehen gebildet haben könnte. Wurden sie systematisch getäuscht? Konnten sie nichts sehen? Haben sie gar weggeschaut?

Keine dieser Alternativen wirft ein gutes Licht auf den Aufsichtsrat. Entweder sitzen dort die falschen Personen oder die Kontrollmechanismen funktionieren prinzipiell unzureichend. Auch dieser Punkt sollte jetzt politisch aufgearbeitet werden. Denn klar ist: In der Automobilindustrie muss künftig wesentlich strenger hingeschaut und geführt werden. Alibi- und Abnickorgane für Schönwetterbilanzen haben dort nichts mehr verloren.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)