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Eine harte Woche voller Brüsseler Vorstellungstreffen liegt hinter Ursula von der Leyen. Doch ihrer erhofften Wahl zur EU-Kommissionspräsidentin ist sie damit noch keinen entscheidenden Schritt näher gekommen. Viele Sozialdemokraten, Grüne und Linke fremdeln weiterhin mit der Favoritin der Staats- und Regierungschefs.

Am kommenden Dienstag droht damit im Europaparlament möglicherweise gar eine Niederlage der Bundesverteidigungsministerin. Für sie persönlich, für Deutschland, vor allem aber für die EU insgesamt wäre dies ein Debakel. Denn die Europäische Union braucht jetzt vor allem Kompromiss- und Handlungsfähigkeit. Für beides steht der Name Ursula von der Leyen.

Es ist schon bizarr. Auf der einen Seite beklagen Parlamentarier gerade des linken Spektrums, dass die EU in sich zu zerstritten sei und deswegen historische Herausforderungen nicht angemessen angehe. Genannt seien hier nur die Flüchtlingskrise und der Klimaschutz. Recht haben diese Kritiker. Doch auf der anderen Seite riskieren dieselben Abgeordneten, dass sich die Brüsseler Institutionen wegen der Personalie Ursula von der Leyen in einen lähmenden Machtkampf verzetteln.

Eine solche Blockade wäre nur gerechtfertigt, wenn die CDU-Politikerin eine offenkundige Fehlbesetzung ist. Doch davon kann keine Rede sein. Besser als sie kann kaum jemand für eine solch anspruchsvolle Aufgabe in international schwierigen Zeiten vorbereitet sein.

Von der Leyen hat eine lange Regierungserfahrung, ist mehrsprachig, europa- und weltweit gut vernetzt. Außerdem verfügt sie gerade in der Außen- und Sicherheitspolitik über einen klaren, wertorientierten Kompass. Für die strategisch herausragenden Beziehungen der EU zu den USA, zu Russland und China können solche Kompetenzen an der Kommissionsspitze kaum überschätzt werden.

All dies würden Parlamentarier am Dienstag aufs Spiel setzen, wenn sie gegen die Wahl von der Leyen stimmen. Parteitaktik hätte dann über Vernunft gesiegt, grundsätzliche Gegner der EU könnten angesichts der politischen Selbstzerfleischung frohlocken. Statt ihrem missglückten Prinzip von Spitzenkandidaten nachzutrauern sollten die Abgeordneten daher besser endlich nach vorn blicken und das einhellige Votum der Staats- und Regierungschefs bestätigen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)