Der Verzicht des AfD-Politikers Andre Poggenburg auf seine Partei- und Fraktionsämter in Sachsen-Anhalt war überfällig. Selbst der Bundesvorstand der AfD hatte sich zwischenzeitlich von dessen verunglimpfenden Äußerungen über Türken distanziert. Und dies will schon etwas heißen in einer Partei, die sonst wenig Sympathie für ausländische Mitbürger zeigt.

Hinzu kam interne Kritik an seinem Führungsstil. Poggenburg hatte sie bislang durch eine starke Außenwirkung neutralisieren können. Doch durch seine wilden Verleumdungen in der Aschermittwochsrede war dieser Pluspunkt ins Gegenteil umgeschlagen. Poggenburg hatte den Bogen rhetorisch überspannt und sich damit auch in den eigenen Reihen um Kopf und Kragen geredet.

Die AfD-Führung um Alexander Gauland möchte gern den Eindruck von seriöser Bürgerlichkeit erwecken. Poggenburgs rassistische Hetze hatte dies als Betrug am Wähler entlarvt. Insofern war er so zu einer Belastung beim geplanten Marsch durch die Institutionen geworden.

Gleichwohl sollte der Vorgang nicht überbewertet werden. Die AfD ist keineswegs dabei, sich überzeugend vom rechtsradikalen Rand der Gesellschaft zu distanzieren. Man denke hier nur an die jüngsten Avancen des Bundesvorstands gegenüber der Dresdner Pegida, die für ihre antiislamischen Parolen berüchtigt ist.

Die AfD-Spitze versucht weiterhin, durch demokratische Tabubrüche möglichst viel Unterstützung aus rechtsextremen Milieus zu gewinnen. Nur merken soll es niemand. Der Wolf möchte sein Schafsfell nicht verlieren. Denn offenkundige Antidemokraten und Ausländerfeinden sind bis auf weiteres in Deutschland nicht mehrheitsfähig. Wer bürgerliche Wähler für sich gewinnen will, muss deshalb nach außen eine gewisse taktische Distanz zur rechten Schmuddelecke wahren.

Poggenburg konnte und wollte dies nicht in ausreichendem Maße. Deshalb musste er jetzt die erste sichtbare Reihe der AfD verlassen. Aber es bleiben seine Parolen und Positionen, die ihn überhaupt erst so prominent gemacht haben. Ob diese innerhalb der AfD langfristig mehrheitsfähig werden, ist offen. Poggenburgs Gesinnungsfreunde sind jedoch eine starke Kraft und dürften nichts unversucht lassen, um die ideologischen Weichen entsprechend zu stellen. Sie könnten durchaus Erfolg damit haben.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)