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Von so viel Harmonie und Einigkeit können die Sozialdemokraten angesichts ihres Mitgliederentscheids nur träumen. Mit überwältigender Mehrheit der Delegiertenstimmen hat die CDU-Führung grünes Licht für die angestrebte Große Koalition bekommen. Vergessen scheinen die Kritiken und Unmutsäußerungen nach dem mäßigen Ergebnis bei der Bundestagswahl. Angela Merkel sitzt weiter fest im Sattel.

Die CDU hat sich wieder mit ihrer Vorsitzenden versöhnt. Der Kanzlerin ist es damit ein weiteres Mal gelungen, die meisten internen Kritiker zu besänftigen oder wie Jens Spahn einzubinden und damit die anstehende Nachfolgediskussion zu vertagen. Jetzt müssen nur noch die SPD-Mitglieder ja zum Koalitionsvertrag sagen. Dann hätte Merkel wieder einmal ein Meisterstück in Sachen Taktik und Machterhalt abgeliefert.

Gleichwohl bleibt die Situation der CDU schwierig. Von Rechts macht die AfD Druck und versucht, Stammwähler der Union für sich zu gewinnen. Und beim Blick nach Links beginnen die Konturen der CDU immer mehr zu verschwimmen. Der traditionelle Markenkern geht verloren. Der Eindruck von inhaltlicher Beliebigkeit und Austauschbarkeit macht sich breit.

Bislang wurde dieses Defizit durch die Persönlichkeit und große Popularität Merkels ausgeglichen. Jetzt will sich die CDU durch neue Gesichter im Kabinett für die Zukunft wappnen. Allen voran gilt dies für Jens Spahn. Der designierte Gesundheitsminister hat sich durch Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik parteiintern profiliert. Mit Sachkenntnis und ohne Seilschaften boxte er sich in den engeren Führungskreis hinein. Das prädestiniert ihn für höhere Aufgaben in einer Nach-Merkel-Ära.

Voraussetzung ist, dass sich Spahn auch mit Kabinettsdisziplin und Ministeramt weiterhin als kluger und unabhängiger Kopf profilieren kann. Dies wird nicht einfach werden, zumal mit Annegret Kramp-Karrenbauer künftig eine starke Generalsekretärin an Merkels Seite stehen wird. Die bisherige Ministerpräsidentin hat die ideale Ausgangsposition, um eines Tages ganz nach oben zu gelangen. Und ihre Wahl mit fast 99 Prozent der Delegiertenstimmen auf dem Berliner Parteitag zeigt, wie groß jetzt schon der Rückhalt für die Saarländerin innerhalb der CDU ist.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)