Nun ist auch offiziell, was seit Wochen feststand: Hillary Clinton wird für die Demokraten ums Weiße Haus kämpfen. Sie könnte die erste Frau im Präsidentenamt werden – und zugleich die erste First Lady, die ihrem Mann ein Comeback ins Machtzentrum der Supermacht USA ermöglicht. Ob ihr der historisch einmalige und aus europäischer Sicht auch wünschenswerte Sieg gelingt, ist völlig offen. Mit ihrer jüngsten Rede in Philadelphia hat Clinton eine gute Basis geschaffen, aber auch nicht mehr. Erst die nächsten Wochen werden zeigen, wie belastbar und damit erfolgversprechend ihre Kampagne letztlich ist.

Kritisch sind die beiden Faktoren, die andererseits auch ihre Stärke ausmachen: Erfahrung und Familie. Konkurrent Donald Trump wird nichts unversucht lassen, um Hillary Clinton als arrogantes Mitglied des Washingtoner Politklüngels zu denunzieren, die obendrein noch mit ihrem Mann Bill allzu gerne die Nähe der Konzernbosse und Superreichen suchte. Das trifft den Nerv sehr vieler Amerikaner. Für sie sind die USA wirtschaftlich, sozial und moralisch von angeblich korrupten und geldgierigen Leuten wie Clinton auf die schiefe Bahn geführt worden. Und für diese US-Wutbürger soll das Großmaul Trump alles wieder gerade rücken. Sein angeblicher Vorteil: Er hat null Vorerfahrung und damit null Vorbelastung. Das ist aberwitzig und ebenso, als würde in Deutschland Stefan Raab kurz vorm Einzug ins Kanzleramt stehen…

Aber sich wundern und wehklagen hilft nichts. Die Lage in den USA ist ernst. Hillary Clinton muss hart kämpfen, um Trump vom roten Knopf für die Atomraketen fernzuhalten. Und sie muss zugleich ihr Image vom rein kopfgesteuerten Machtmenschen weiter widerlegen. In Philadelphia gab es dazu gute Vorlagen. Mann, Tochter und Weggefährten zeichneten ein warmes, sympathisches Bild. Und Clinton selbst betonte ihre Sorge um die Schwachen, um Menschen, die sich auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis fühlen und denen Trump das Blaue vom Himmel verspricht. Mehr Solidarität und Gemeinwohl statt Habgier, Egoismus und Spaltung – nach diesem traditionellen und soliden Muster der Demokraten war die Nominierungsrede Clintons gestrickt.

Trumps Konter wird nicht lange auf sich warten lassen. Und dann erst dürfte es im Finish ums Weiße Haus so richtig spannend aber wohl leider auch politisch schmutzig werden – Ausgang völlig offen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)