Mark Zuckerberg muss sich trotz des jüngsten Datenskandals keine allzu ernsten Sorgen über den US-Markt machen. Der Kongress und das Weiße Haus werden den Facebook-Chef auf absehbare Zeit nicht durch strengere Auflagen am großen Geschäft hindern. Die Börse freut es. Und Zuckerberg selbst war nach seinem Auftritt im Senat binnen Stunden um drei Milliarden Dollar reicher – schön für ihn, schlecht für seine bislang so gutgläubigen Kunden. Diese dürfen nicht auf eine positive Wende beim Schutz ihrer Daten hoffen.

Die Washingtoner Milde gegenüber Facebook bedeutet für die Europäer: Sie müssen sich beim Datenschutz ganz auf sich allein verlassen. Die hiesigen Politiker bleiben deshalb in der Pflicht, Facebook endlich stärker zu regulieren. Die Möglichkeit dazu haben sie. Denn wer auf dem europäischen Markt präsent sein will, muss sich auch nach dessen Regeln richten. Bei Verstößen sollte es dann so richtig teuer werden – eine Sprache, die auch Facebook gut versteht.

Zuckerberg versuchte im Kongress, sich weniger als Geschäftsmann, sondern mehr als Idealist im Dienste der Kommunikation und Verständigung unter den Menschen darzustellen. Dieses schöne Bild vom Wohltäter passt nur leider so gar nicht zur Realität, in der das Unternehmen Informationen über seine Nutzer fast nach Belieben kommerzialisiert. Natürlich, die Kunden haben zumeist ohne viel Nachdenken zugestimmt. Aber ihnen bleibt ja auch kaum eine Alternative, wenn sie nicht ganz auf Facebook verzichten wollen.

Umso wichtiger, dass die Politik für klare Rahmenbedingungen beim Datenschutz sorgt. Sonst wird die Sammelwut von Facebook keine Grenzen finden. Denn niemand sollte erwarten, dass der Konzern von sich aus Zurückhaltung üben wird. Sein Erfolgsmodell heißt: Je mehr Informationen, desto besser fürs Geschäft. Entsprechend empfindlich und trickreich reagiert Zuckerberg, wenn ihm von außen – sprich Politik und Justiz – Leitplanken gesetzt werden sollen.

In den USA kommt dem Facebook-Chef zugute, dass viele Kongressmitglieder beim Thema soziale Netzwerke wenig Ahnung und Interesse zeigen. Und obendrein regiert mit Donald Trump ein Präsident, der die heimische Wirtschaft erklärtermaßen von möglichst vielen Regularien befreien möchte. Man kann nur hoffen, dass die EU dies nicht als Vorbild nimmt.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)