Anerkennung für die Konkurrentin, Aufruf zu Versöhnung und Einigkeit, Rückbesinnung auf den amerikanischen Traum: Donald Trump schlägt nach seinem Wahlsieg Töne an, die im umgekehrten Fall auch von Hillary Clinton hätten sein können. Die Botschaft heißt Seriosität und Berechenbarkeit. Doch selbst wenn der künftige US-Präsident tatsächlich meint, was er sagt, müssen in Deutschland alle Alarmglocken schrillen. Denn Trumps Triumph beruht auf Tabubrüchen, die auch hierzulande immer häufiger geschehen: Offene Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Sexismus – um nur einige zu nennen.

All dies ist schon schlimm genug. Noch beunruhigender und das eigentlich Erschreckende an der US-Wahl ist die Wucht, mit der Trump diese hasserfüllte Stimmung in Wählerstimmen ummünzen konnte. Bis zuletzt schürte der Milliardär Ressentiments und weckte wilde Erwartungen, an die er wohl selbst nicht glaubte. Und nun wird er von seinen Anhängern an den wilden Parolen gemessen. Diese bösen Geister werden er und die Amerikaner so schnell nicht mehr los. Kann Trump den Wutwählern nicht – wie versprochen – politisch liefern, droht die Lage vollends zu eskalieren. Ein Teufelskreis.

Kann so etwas auch in Berlin geschehen? Deutschland ist keine Insel der Seligen. Das Erstarken der AfD hat gezeigt, dass Demokraten auf der Hut sein sollten, um nicht eine ähnlich böse Überraschung wie jetzt in Washington zu erleben. Entscheidend ist, die Sorgen und vor allem auch die Ängste von Bürgern ernsthafter als bisher zu thematisieren. Es darf keine Mauer zwischen erlebter Realität vor Ort und den „politisch korrekten“ Debatten in Politik und Medien mehr geben. Denn eine solche Mauer kann überraschend von skrupellosen Demagogen zerstört werden – siehe Trump. Und was dann mit der aufgestauten Wut geschieht, lässt sich kaum vorhersagen geschweige denn steuern.

Umso wichtiger ist es, den Anfängen zu wehren. Argumentieren statt ausgrenzen muss die Devise für Demokraten lauten. Auch bei Themen wie Asyl und Flüchtlinge. Und vor allem darf nicht länger achselzuckend hingenommen werden, dass sich ganze Bevölkerungsgruppen perspektivlos an den Rand der Gesellschaft gedrängt fühlen. Sie könnten sich sonst unerwartet und mit höchst unerfreulichen Botschaften zurückmelden. Wie jetzt in den USA die Wähler von Donald Trump.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)