Syrische Rebellen wollen den Belagerungsring der Assad-Truppen um Aleppo durchbrochen haben. Ob die Meldung stimmt, ist im Grunde fast egal. Denn die schreckliche Lage der Zivilbevölkerung würde sich in keinem Fall wesentlich bessern: Es wird weiter massenhaft gehungert, gelitten, gestorben. Das ist eine Tragödie, die im heutigen Europa die Vorstellungskraft der meisten Menschen weit übersteigt.

Diplomatie und Politik der EU haben im Fall Syrien dramatisch versagt. Humanitäre Hilfe und Solidarität mit den Flüchtlingen ist daher das Einzige, was von hier aus derzeit getan werden kann. Und muss, wenn man die westlichen Werte zum Maßstab nimmt.

Eine Wende zum Positivem – sprich Frieden oder zumindest Waffenstillstand – ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, der Bürgerkrieg wird täglich neu befeuert, weil jede Seite für einen Sieg militärisch zu schwach und für eine Niederlage zu stark ist. Und die Einmischung von außen macht die Lage vollends verfahren – zynischer und brutaler kann internationale Machtpolitik kaum sein.

Und der Westen? Er hält sich zurück, um eine direkte Konfrontation mit Russland zu vermeiden. Dies mag militärisch und realpolitisch noch so geboten sein, die blutige Zeche zahlen die Bürger von Aleppo und den anderen Angriffszielen Assads und seines Moskauer Verbündeten. Dagegen ist jeder Tag, an dem in Syrien länger Krieg geführt, für Putin ein doppelter Gewinn. Er kann so die EU durch immer mehr Flüchtlinge in Schwierigkeiten bringen. Und er festigt Moskaus Position im nahöstlichen Machtpoker. Wie zu Sowjetzeiten auf Augenhöhe sein mit Washington: diesem Ziel kommt der Kremlchef mit jedem Bombenangriff näher.

Selbstverständlich müssen trotz alledem die diplomatischen Bemühungen für eine friedliche Lösung des Konflikts fortgesetzt werden. Jede noch so kleine Chance auf ein Ende der Gewalt gilt es im Interesse der leidgeprüften Menschen zu nutzen. Aber leider spricht momentan nicht das Geringste dafür, dass die bisherige Blockade enden könnte. Dies gilt insbesondere mit Blick auf Putins Unterstützung für Assad. Denn dass der Kremlchef humanitäre Aspekte für drittrangig hält, hat er auch schon im Ukrainekonflikt bewiesen. Düsterer könnte die Zukunftsaussichten für die Zivilbevölkerung in Syrien damit kaum sein – eine grauenvolle Perspektive.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)