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Das erste Erschrecken über den gescheiterten Korea-Gipfel hat sich gelegt. Nun heißt die Devise Schadensbegrenzung. Und die könnte leichter fallen, als viele zunächst angenommen hatten. Denn erstens hat US-Präsident Trump eine Lektion in Sachen Diplomatie erhalten. Der „Dealmaker“ musste in Hanoi erkennen, dass Gipfeltreffen ohne gründliche Vorbereitungsgespräche keinen Sinn machen. Einen solchen Fehler dürfte er kaum ein zweites Mal machen. Zweitens ist der US-Präsident nicht bereit gewesen, für das von ihm gewünschte Abkommen jeden Preis zu zahlen. Sein übliches Prinzip „Show statt Substanz“ kennt offenbar auch Grenzen.

All dies mag selbstverständlich erscheinen, doch bei einem Politiker wie Trump sind bereits kleine Fortschritte in Sachen Professionalität ein großer Gewinn. Hinzu kommt, dass Trump den Mut zum spektakulären Abbruch des Gipfeltreffens in einer für ihn besonders heiklen innenpolitischen Phase bewiesen hat. Denn in Washington steht er wegen der Aussage seines Ex-Anwalts Cohen mächtig unter Druck. Ein glanzvoller Gipfelerfolg wäre deshalb für Trump doppelt wichtig und wünschenswert gewesen.

Positiv ist auch die Zurückhaltung, mit der der US-Präsident seine vorzeitige Abreise kommentierte. Anders als sonst mäßigte er sich in der Wortwahl, nahm keine einseitige Schuldzuweisung vor und übte vor allem keine direkte Kritik an der Person Kim Jong Un. Im Gegenteil, Trump fand warme Worte für den Diktator, auch wenn sie ihm in Washington teilweise heftige Vorwürfe einbringen. Aber damit bleibt die Tür für weitere Gespräche zwischen den USA und Nordkorea offen. Die Gefahr eines Rückfalls in die frühere Konfrontation wird begrenzt. Für den Frieden in Ostasien kann dies gar nicht hoch genug bewertet werden.

Auch die ersten Reaktionen Nordkoreas sind bemerkenswert vorsichtig gewesen. Zwar hat sich Machthaber Kim augenscheinlich verkalkuliert, denn auch er hätte wie Trump vorzeigbare Ergebnisse dringend gebraucht. Nordkorea steckt in wirtschaftlicher Not, eine Lockerung oder gar Aufhebung der internationalen Sanktionen könnte das Schlimmste verhindern. Aber trotz des Misserfolgs von Hanoi schaltete Kim nicht sofort in den üblichen Propagandamodus um, sprich: attackierte die USA oder kritisierte gar Trump persönlich. Auch der nordkoreanische Machthaber möchte den Schaden von Hanoi offenbar begrenzen – ein gutes Zeichen…

(Für Pressekorrespondenz Berlin)