Seite auswählen

Die Kritik des früheren SPD-Vorsitzenden Martin Schulz an US-Botschafter Richard Grenell ist vollauf berechtigt. Denn dieser verhält sich nicht wie ein Repräsentant Amerikas sondern führt sich als Propagandist rechten Gedankenguts auf. Dass Donald Trump einen solch undiplomatischen Mann nach Deutschland entsandt hat, kann nur als Affront gewertet werden. Der US-Präsident will offenkundig einen der wichtigsten NATO-Partner provozieren, und Grenell ist leider der Richtige dafür. Deshalb dürfte auch Schulz´ Hoffnung auf eine baldige Ablösung des Botschafters trügerisch sein.

Umso wichtiger, dass Grenell hierzulande auf harte Widerworte stößt. Die sonst gegenüber Diplomaten übliche Höflichkeit und Zurückhaltung ist bei ihm nicht angebracht. Grenell muss deutlich gemacht werden, dass er sich verrannt hat und persönlich unerwünscht ist. Denn ein Botschafter genießt zwar diplomatische Immunität aber keine Narrenfreiheit.

Gleichwohl sollten der Mann und sein Verhalten auch nicht überbewertet werden. Denn das eigentliche Problem ist nicht Grenell sondern Trump. Solange sich der Präsident nicht im Geringsten um ein freundschaftliches Verhältnis zu Deutschland bemüht, ist es letztlich zweitrangig, wer Washington in Berlin vertritt. Einen größeren Schaden, als Trump selbst bereits verursacht hat, kann auch Grenell nicht anrichten. Insofern macht es auch keinen Sinn, über eine eventuelle Ausweisung des Botschafters nachzudenken. Die entsprechende Forderung der Linken soll nur neue Aufregungen provozieren. Allererdings müssen sich die US-Bürger schon fragen, ob ihre Steuergelder tatsächlich für das üppige Gehalt eines Botschafters verwendet werden sollten, der politische Agitation mit solider Arbeit verwechselt.

Nur ein Positives hat der ganze Vorgang: Die Wortmeldung von Martin Schulz nach langer Zeit des Schweigens und des Wundenleckens nach dem Aus als SPD-Chef. Der frühere EU-Parlamentspräsident mag ja noch so viele taktische und strategische Fehler im Wahlkampf und in der Zeit danach gemacht haben: Seine persönliche Integrität sowie seine Kompetenzen und Erfahrungen auf internationalem Parkett sind davon unberührt. Man kann daher nur wünschen, dass Schulz seine Rückkehr in die politische Öffentlichkeit fortsetzt – in welcher Funktion auch immer.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)