Die Festnahme des terrorverdächtigen Syrers in Leipzig ist ein wichtiger Erfolg für die sächsische Polizei, um deren Ruf es nach den rechtsradikalen Pöbeleien am Tag der Einheit in Dresden nicht zum Besten steht. Den größten Anteil am Fahndungsergebnis haben jedoch gesetzestreue Landsleute des Festgenommen, die ihn erkannten, dann fesselten und der Polizei auslieferten. Sie haben vorbildlich gehandelt und verdienen entsprechende öffentliche Anerkennung. Auch hätte das Vorurteil von Rechtspopulisten, Flüchtlinge seien grundsätzlich eine terroristische Gefahr, nicht besser widerlegt werden können.

Die Syrer, die der Polizei halfen, handelten damit ganz im Sinne des hiesigen Rechtsstaats. Dazu hört auch, dass sie keinen Versuch machten, die Angelegenheit intern „unter Landsleuten“ zu regeln. Sie besitzen offenbar volles Vertrauen in die Arbeit der hiesigen Polizei und Justiz. Angesichts der Zustände in ihrem Heimatland ist dies keine Selbstverständlichkeit. Aber es ist für sie der einzige und richtige Weg, sich in Deutschland zu integrieren.

Und dennoch: Das Risiko von islamistischen Anschlägen bleibt hierzulande hoch, wie der Vorgang in Sachsen zeigt. Politik und Polizei müssen deshalb den Druck auf die Feinde der Demokratie weiter verstärken. Dazu gehört auch eine intensivere Zusammenarbeit der Asyl- und Sicherheitsbehörden. Es darf keine datenmäßigen Grauzonen mehr geben. So sollten Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst künftig umfassende Zugriffsrechte auf die Kerndatei der Asylbewerber erhalten, um insbesondere Flüchtlinge ohne Ausweispapiere besser im Blick zu behalten. Denn leider mischen sich auch potenzielle Terroristen unter die große Zahl von schutzbedürftigen Menschen – ein Missbrauch, unter dessen Folgen nicht zu zuletzt die tatsächlich Hilfesuchenden leiden müssen.

Umso positiver, dass – wie jetzt in Leipzig – die Polizei von Syrern gerufen wurde, um einen gefährlichen Landsmann festzunehmen. Solche Mitarbeit muss nicht immer gleich so spektakulär sein. Oft kann es schon genügen, wenn etwa Mitglieder von Moscheegemeinden von sich aus auf Menschen zugehen, die ins radikale Lager abzudriften drohen. Entscheidend ist, dass Ortsansässige und Migranten jede Form von Gewalt und Terror als gemeinsame Bedrohung betrachten, die auch gemeinsam mit Hilfe der Polizei abgewendet werden muss. So wie jetzt in Leipzig geschehen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)