Seite auswählen

Auch in der Außenpolitik ist Donald Trump immer wieder für Überraschungen gut – siehe sein jüngstes Gesprächsangebot an die Machthaber im Iran. Allerdings zeugt dieser Vorstoß mehr von Naivität und Größenwahn als von Realismus und politischem Mut. Denn der US-Präsident scheint tatsächlich zu glauben, er könne gleichsam über Nacht das bisherige Konfliktverhalten Teherans in sein Gegenteil verkehren.

Das ist abwegig. Die regierenden Mullahs lassen sich aller Erfahrung nach nur in langen und gründlichen Verhandlungen zu einem friedlichen Kurswechsel bewegen. Gelungenes Beispiel hierfür sind die Gespräche, die zu dem von Trump aufgekündigten Atomabkommen geführt haben.

Ein Positives haben die Äußerungen des Präsidenten jedoch: Die Gefahr eines amerikanischen Militärschlags gegen den Iran ist wieder etwas gesunken. Denn solange Trump reden will, dürften die Waffen ungenutzt bleiben. Damit wird Zeit gewonnen, um die Lage zu entspannen.

Große Hoffnungen sind allerdings unberechtigt. Die Krise kann sich jederzeit wieder verschärfen. Dies gilt erst recht für den Fall, dass Trumps Vorstoß letztlich scheitert. Und das ist wahrscheinlich. Denn der US-Präsident mag sich ja noch sehr für ein politisches Genie halten: Das Regime in Teheran ist keine Ansammlung von Geschäftsleuten, mit denen er mal eben – wie früher in der New Yorker Immobilienbranche – einen schnellen „Deal“ zum eigenen Vorteil machen kann.

Entsprechend lang und kompliziert verliefen die internationalen Atomgespräche. Sie mögen zwar kein ideales Ergebnis gebracht haben, denn der Iran bleibt ein Risiko- und Unruhefaktor im Nahen Osten. Gleichwohl gab es realistische Fortschritte, die Trump leider mit einem Federstrich verworfen hat.

Natürlich ist auch dieser Vertrag nur ein Kompromiss. Weitere Verbesserungen im Detail bleiben wünschenswert. Doch dies würde ein tiefes Eintauchen in eine komplexe Materie erfordern. Und genau dafür ist Trump der völlig falsche Mann. Er beherrscht vor allem den großspurigen, spektakulären Auftritt in der Öffentlichkeit, die Show vor den heimischen Fernsehzuschauern und Wählern. Die geistlichen Machthaber des Iran werden sich davon gewiss nicht beeindrucken lassen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)