Der Hackerangriff auf die Bundesregierung sollte auch dem letzten Politiker in Berlin klargemacht haben: IT-Sicherheit verdient in Zukunft höchste Priorität. Nichts scheint mehr unmöglich, wenn selbst Daten des Auswärtigen Amtes und des Verteidigungsministeriums ausspioniert werden können.

Wie groß der Schaden in den konkreten Fällen ist, spielt dabei nicht einmal die entscheidende Rolle. Viel wichtiger ist, dass zentrale öffentliche Bereiche, die über weniger IT-Expertise als Ministerien verfügen, jetzt umso anfälliger wirken – von der Wasserversorgung, Energiesicherung bis hin zu Polizei und Verkehrsunternehmen. Überall gibt es Zugänge zum Internet, die für Hacker interessant sind. Da heißt es, noch viel stärker als bisher flächendeckend in Abwehrkompetenz zu investieren.

Gewiss, einen absoluten Schutz vor illegalen Attacken kann es nicht geben. Dafür sind die betreffenden Systeme viel zu komplex. Hinzu kommt der Unsicherheitsfaktor Mensch. Gleichwohl sollte alles versucht werden, Kriminellen und gegnerischen Geheimdiensten die Arbeit so schwer wie möglich zu machen. So lässt sich der potenzielle Schaden zumindest eingrenzen. Und Herkunft und Motive der Angreifer können womöglich leichter festgestellt werden

Hacker lassen sich zwar nicht strafrechtlich belangen, wenn sie im Ausland sitzen. Aber zumindest könnten als Vergeltung ihre Auftraggeber ebenfalls per Internet angegriffen werden. Abschreckung durch eigene IT-Stärke: Auch dies sollte ein Teil der künftigen deutschen IT-Strategie sein.

Solche Maßnahmen kosten viel Geld und Zeit. Und sie bringen keine handfesten Erfolge, mit denen sich Politiker vor Wahlen öffentlich schmücken können. Im Gegenteil: Wenn nichts passiert, wurde alles richtig gemacht. Insofern ist leider nachvollziehbar, dass im Koalitionsvertrag von Union und SPD das Thema Cybersicherheit nur unzureichend abgehandelt wird.

Doch dies ist sehr kurzsichtig. Denn die möglichen Schäden könnten immens sein. Vor allem aber lassen sie sich im Vorfeld nicht kalkulieren. Deshalb muss stets vom Schlimmsten ausgegangen werden. Ganz abgesehen davon dürfen die Bürger zu Recht vom Staat erwarten, dass er sie bestmöglich vor ausländischen Angriffen jeglicher Art schützt.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)