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In Berlin herrscht leise aber äußerst rege Betriebsamkeit. Kaum etwas dringt aus den Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP nach außen. Ein solches Maß an Vertraulichkeit ist sonst auf Bundesebene selten. Viele Bürger empfinden diese Art des Umgang als positiv. Ob sie die gleichen Gefühle haben, wenn am Ende die Ergebnisse vorliegen, steht auf einem anderen Blatt.

Denn insbesondere für die Bewohner des ländlichen Raums steht momentan viel auf dem Spiel. Sie müssen befürchten, zum Wohle des Klimaschutzes im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen über Gebühr zahlen zu müssen. Um nichts anderes geht es, wenn jetzt über einen massiven Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und den gleichzeitigen Abbau der Pendlerpauschale diskutiert wird. Denn – überspitzt formuliert – mehr Geld für den ÖPNV nutzt in erster Linie den Ballungszentren, während ein Aus der Pendlerpauschale für den ländlichen Raum kaum zu verkraften ist.

Schlechte Busverbindungen auf dem Land

So ergab kürzlich eine Mobilitätsstudie des Studie des Deutsche Bahn (DB)-Tochterunternehmens ioki, dass 27 Millionen Deutschen, die in Metropolregionen und Großstädten leben, ein sehr guter öffentlicher Nahverkehr zur Verfügung steht. Für 55 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern, die im Umland und im ländlichen Raum wohnen, gibt es zwar ein dichtes Netz an Haltestellen. Doch weniger als die Hälfte davon wird mehr als zweimal pro Stunde bedient. Hingegen haben 90 Prozent der Großstadtbürger mindestens einen Stundentakt. Ganz abgesehen davon: In der Stadt ist die nächste Haltestelle oft um die Ecke. Auf dem Land kann der Weg zur nächsten Haltestelle dagegen schon sehr weit und ohne Auto oft nicht zu bewältigen sein.

Natürlich wäre es ökologisch sinnvoll, wenn mehr Menschen auf Buse und Bahnen umsteigen würden. Allerdings ist dies im ländlichen Raum aktuell häufig nicht möglich. Zwar ist auch dort ein besserer ÖPNV grundsätzlich wünschenswert, aber er kann für Millionen Menschen bestenfalls in ferner Zukunft eine realistische Alternative sein. Dafür sind einfach die Räume zu groß und die Kosten zu hoch. Das bedeutet aktuell: Es muss auch Bewohnern des ländlichen Raums finanziell möglich bleiben, mit dem Auto zur Arbeitsstelle zu fahren.

Teil des Familienbudgets

Gerade für junge Familie auf dem Land war und ist die Pendlerpauschale ein wichtiger Teil des Familienbudgets. Sie wünschen sich zwar wie fast alle Bürger entschiedene Maßnahmen gegen die Klimawandel. Aber dabei sollte es sozial fair und gerecht zugehen. Anders ausgedrückt: Junge Leistungsträger auf dem Land hätten kein Verständnis, wenn ihnen in existenzbedrohender Weise Gelder gestrichen würden, nur damit mehr Großstadtbürger in Berlin, Hamburg oder München besser und billiger den ÖPNV nutzen könnten…

ioki-Studie zu öffentlicher Mobilität in Deutschland: On-Demand-Angebote stärken Schiene, Mobilitätswende und Klimaschutz

https://www.rnd.de/politik/annalena-baerbock-fuer-mobilitaetsgarantie-gruenen-kanzlerkandidatin-will-bus-und-bahnennetz-auch-in-CADAYGJBYLTLI25AJE6DACQMPY.html

https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/umweltschaedliche-subventionen-fast-die-haelfte

Dieser Text wurde zuerst veröffentlicht auf: https://www.natur-und-mensch-politblog.de