US-Verteidigungsminister James Mattis hat völlig Recht: Ein militärischer Konflikt mit Nordkorea wäre eine Katastrophe. Positiv auch, dass er bereits „diplomatische Ergebnisse“ sieht und diesen Weg fortsetzen will. Doch was zählt die Meinung des Pentagons-Chefs, wenn sein Chef – Präsident Donald Trump – ganz andere Töne anschlägt?

Mag zwar sein, dass hier mit verteilten Rollen gespielt wird. Mag auch sein, dass sich in Washington allmählich doch Vernunft und Augenmaß durchsetzen. Aber wahrscheinlich ist dies nicht. Denn Trumps bisherige Amtszeit ist die bloße Aneinanderreihung von Chaostagen – mit den Themen Einwanderung, Klimaschutz und Gesundheitsreform. Und jetzt kommt noch Nordkorea dazu.

Dies ist unverantwortlich und beängstigend. Denn der aktuelle Konflikt mit Diktator Kim Jong Un birgt immense Risiken. Man erinnere sich: Im ersten Koreakrieg von 1950 bis 1953 starben bei den Kämpfen rund vier Millionen Menschen. Ein ähnliches Szenario muss verhindert werden. Dazu sind diplomatisches Geschick und ein kühler Kopf notwendig. Beides fehlt Trump. Und seine Mitarbeiter und Minister – Stichwort Mattis – haben leider nur begrenzten Einfluss auf den Präsidenten.

Trump hält zu wenig von Erfahrung und Argumenten. Er setzt auf große Worte, Show und Provokationen. Im politischen Normalbetrieb mag dies noch hinzunehmen sein. Aber im Konflikt mit Nordkorea ist eine solche Attitude heikel, ja brandgefährlich. Denn eine einzige unbedachte oder von der Gegenseite falsch eingeschätzte Aktion könnte fatale Folgen haben. Trump schert dies leider wenig, wie seine neuerlichen Verbalattacken gegen Kim zeigen. Kurzum, dieser Präsident ist ein Alptraum.

Umso wichtiger wird es, dass China, Russland und nicht zuletzt die Europäische Union kurzfristig mäßigend auf die Kontrahenten einwirken. Zugleich muss endlich ein für Kim gesichtswahrender Stopp der nordkoreanischen Atomrüstung erreicht werden. Das geht nur über Verhandlungen.

Weshalb lädt nicht der UNO-Generalsekretär zu einem Gespräch ein? Als oberster Repräsentant der weltumspannenden Vereinten Nationen wäre er berufen für ein solches Manöver des letzten Augenblicks. Die Erfolgschancen mögen zwar nicht groß sein. Aber auch hier gilt: Reden ist allemal besser als Rüsten.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)