Der Ausgang des türkischen Referendums wirft auch für Deutschland viele brisante Fragen auf. Eine davon ist die baldige Reform des Staatsbürgerrechts. So ist die Hoffnung geplatzt, der leichte Zugang zu einem Doppelpass würde die Integration von türkisch-stämmigen Bürgern hierzulande entscheidend verbessern. Das genaue Gegenteil ist geschehen. Die Zustimmung zu Erdogans kaltem Staatsstreich liegt zwischen München und Hamburg höher als im Mutterland. Das ist ein demokratisches Armutszeugnis – egal ob die Betreffenden dem Vorhaben ausdrücklich zugestimmt haben oder der historischen Abstimmung „nur“ ferngeblieben sind.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind gewiss vielfältig. Auch mögen hiesige Behörden und Politiker in der Vergangenheit Fehler gemacht haben. Aber dies ist kein Grund, den deutschen Pass weiterhin automatisch als Zugabe an Menschen zu verteilen, die schon eine andere Staatsbürgerschaft besitzen und mit unserer Demokratie nichts im Sinn haben. Denn jedem Türken muss klar sein: Erdogans angestrebte Alleinherrschaft – womöglich gar noch mit Einführung der Todesstrafe – und die Werte des Grundgesetzes passen nicht im Geringsten zueinander. An dieser Stelle kann es keine doppelte Loyalität geben. Deshalb sollte der Doppelpass in seiner bisherigen Weise abgeschafft werden. Das hat nichts mit Ausgrenzung sondern mit politischer Ehrlichkeit zu tun.

Wer als hier lebender oder geborener Türke bewusst und mit allen Konsequenzen Deutscher sein will, dem müssen weiterhin alle Türen offen stehen – inklusive Staatsbürgerschaft. Alle anderen Türken in Deutschland sind zwar ebenfalls willkommen. Aber sie können nicht dieselben umfassenden Rechte beanspruchen wie ihre Landsleute, die für die hiesige Gesellschaft und Demokratie votiert haben. Schließlich gehören zu deren Rechten auch staatsbürgerliche Pflichten. Und ein Pass ist keine Kinokarte, die man schnell mal für eine Aufführung kaufen und dann vor der nächsten wieder wegwerfen kann.

Unabhängig davon gilt es, die Integration dauerhaft hier lebender Türken und anderer Ausländer finanziell und personell stärker zu fördern. Dies betrifft vor allem Schulen und Sprachunterrichte – man denke nur an die zunehmende Zahl von jungen Flüchtlingen. Auch das ist eine Lehre aus den erschreckenden Referendumsergebnissen auf deutschem Boden.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)