Die Ergebnisse der UNICEF-Studie zum Schicksal von Flüchtlingskindern sind erschütternd. Selbst wenn manche Zahlen wegen der schwierigen Datenerhebung mit Vorsicht zu behandeln sind: Hier besteht massiver humanitärer und politischer Handlungsdruck. Denn offenkundig ist es in vielen Regionen fast schon üblich, dass Flüchtlingskinder auf ihrer Reise ausgebeutet, misshandelt und versklavt werden. Vielen Erwachsenen geht es zwar leider ähnlich, aber im Falle der Kleinen und Jugendlichen ist dies noch eine Stufe zusätzlich abstoßender.

Was tun? Ein Patentrezept gibt es nicht. Umso wichtiger ist es, durch vielerlei verschiedene Maßnahmen das üble Geschäft mit der Not von wehrlosen Flüchtlingen zu stoppen. Und insbesondere die Kinder müssen besser geschützt werden, damit sie nicht mit schwersten seelischen und körperlichen Hypotheken in ihr weiteres Leben gehen.

Natürlich können Deutschland und die anderen EU-Staaten nicht alle notleidenden Kinder dieser Welt ungeprüft und ungehindert einreisen lassen. Auf der anderen Seite kann es den Europäern nicht gleichgültig sein, welche Verbrechen Menschen erleiden, die sich auf einen für sie lebensgefährlichen Weg nach Italien, Frankreich oder Deutschland gemacht haben. Die Mindeststandards an Humanität und Menschenwürde müssen in jedem Fall sichergestellt bleiben – auch für diejenigen, denen die Tore auf den hiesigen Kontinent letztlich verschlossen bleiben müssen.

UNICEF fordert, dass die EU sichere und legale Wege auf den Kontinent öffnen soll. Dies ist angesichts der Studie zu den Flüchtlingskindern aus humanitärer Sicht verständlich und naheliegend. Doch was ist mit denjenigen, die sich schon auf die Reise gemacht haben oder mit denjenigen, die nur vorgeschickt werden, um später verwandte Erwachsene nachzuholen, Stichwort Familienzusammenführung?

Hier gilt es politisch einiges zu bedenken bis hin zu Sicherheitsfragen und der Kooperation mit den Herkunftsländern. All dies ist heikel und langwierig. Doch die Flüchtlingskinder in Not haben keine Zeit. Ihnen muss nicht irgendwann geholfen werden, sondern jetzt. Am leichtesten geht dies noch durch Schaffung von guten schulischen und beruflichen Perspektiven in ihrer Heimat, bevor sie die Reise ins Ungewisse und Schreckliche überhaupt angetreten haben.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)