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Der Rücktritt von Angela Merkel als Parteichefin hat die CDU in helle Aufregung versetzt. Neue Köpfe und andere Inhalte kündigen sich an. Auch in der SPD schauen die Mitglieder gebannt auf diese Entwicklung. Denn sie stehen ebenfalls vor der Frage: Wie soll es weitergehen?

Die jüngsten Wahlergebnisse in Bayern und Hessen haben die Partei schwer getroffen. Und die sozialdemokratische Führung tut sich äußerst schwer, einen Weg aus der Vertrauenskrise zu finden. Durch den bevorstehenden Neunanfang in der CDU wird diese Ratlosigkeit noch krasser sichtbar.

Kein Wunder, dass einige prominente Sozialdemokraten jetzt öffentlich fordern, einen ähnlich radikalen Schnitt in ihrer Partei vorzunehmen. Der frühere SPD-Finanzminister Peer Steinbrück wünscht sich einen deutschen Bernie Sanders an der Spitze, nur 30 Jahre jünger als der ehemalige Präsidentschaftskandidat bei den US-Demokraten. Das Problem: So jemand ist in der SPD weit und breit nicht zu sehen.

Dies gilt auch für Juso-Chef Kevin Kühnert, den der neue bayerische Fraktionsvorsitzende Horst Arnold als Nachfolger von Andrea Nahles favorisiert. Kühnert ist gewiss eines der größten politischen Talente in der SPD. Aber ihm fehlen bislang Parlaments- und vor allem jegliche Regierungserfahrung. Kühnert schon jetzt die Führung der Gesamtpartei übertragen und damit auch zum potenziellen Kanzlerkandidaten zu machen, käme einer politischen Selbstaufgabe gleich. Davon ist die heutige SPD hoffentlich noch um einiges entfernt.

Gleichwohl: Viel Zeit bleibt Nahles nicht mehr, das Ruder parteiintern herumzureißen. Die Nerven der Sozialdemokraten liegen nach den jüngsten Wahlschlappen blank. Andererseits besteht durch den Wechsel bei den Christdemokraten die Chance, dass das Bundeskabinett zu einer normalen und effektiven Arbeitsweise zurückfindet. Dann könnte auch die SPD wieder neue Lust am Regieren und Gestalten auf Bundesebene finden.

Nahles bliebe in einem solchen Falle mehr Zeit für ihren Plan, die eigene Partei inner- und nicht außerhalb der Großen Koalition zu regenerieren – inklusive der überfälligen Profilierung durch die Sacherfolge von sozialdemokratisch geführten Bundesministerien. Den Bürgern könnte dies nur Recht sein. Sie wollen Ergebnisse und sind der lähmenden Streitigkeiten in der Koalition längst mehr als überdrüssig.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)