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Auch wenn es der Chef im Weißen Haus noch so sehr bestreiten mag: Der Klimawandel ist für die meisten Menschen weltweit mittlerweile eine reale Bedrohung. Nichtstun bis zu einem eventuellen Gesinnungswandel von Donald Trump verbietet sich. Denn längeres Warten schafft unumkehrbare Fakten, die auch das Klima in der EU negativ verändern werden.

Deshalb ist es nur vernünftig, dass die Brüsseler Kommission jetzt die Klimaziele der Union deutlich erhöhen will. Doch von der Absicht bis zur Umsetzung ist es ein beschwerlicher Weg. Die europäischen Regierungen sind zwar nicht so ignorant wie der US-Präsident, aber im Zweifel scheuen sie ebenfalls gerne vor harten nationalen Einschnitten zurück. Diese könnten zumindest kurzfristig die heimische Wirtschaft belasten, zu höheren Preisen für Verbraucher führen oder gar Arbeitsplätze in einzelnen Sektoren der Industrie gefährden.

Kein Politiker, der Wahlkämpfe gewinnen will, geht gerne solche Risiken ein. Donald Trump ist dafür das beste Beispiel. Entsprechend hartnäckig und überzeugend muss die Kommission bei den einzelnen Mitgliedsstaaten für ihr Konzept werben. Sie hat gute Argumente auf ihrer Seite. Die beiden wichtigsten: Die gewaltige Dimension des Problems und die Aussicht, eine internationale Vorreiterrolle bei ohnehin fälligen technologischen und strukturellen Veränderungen zu übernehmen.

Klar ist: Auch die USA und andere große Umweltsünder werden früher oder später auf den Klimawandel reagieren müssen. Wenn die EU jetzt mit gutem Beispiel vorangeht, könnten sie politisch noch stärker unter Druck kommen – ein Gewinn für alle. Denn so sehr sich die Europäer auch anstrengen mögen: den Klimawandel können sie nicht allein, sondern nur gemeinsam mit den anderen Hauptversachern wirksam beeinflussen.

Ob die von der EU-Kommission gewünschte Senkung der Treibhausgase um 45 statt bisher 40 Prozent bis zum Jahr 2030 ausreicht, sei dahingestellt. Die Kritik von Umweltschützern, die stattdessen 55 Prozent weniger im Vergleich zu 1990 fordern, ist rein sachlich nachvollziehbar. Politisch wirkt sie jedoch irreal. Zu groß sind dafür die internen Unterschiede in der EU, zu zerstritten die wichtigsten Akteure – siehe die leidige Flüchtlingskrise. Der große Wurf, der dort nicht gelang, dürfte in der ungleich komplexeren Klimafrage, erst recht unrealistisch sein.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)