Horst Seehofer kann es nicht lassen. Während die Verantwortlichen in Berlin und Brüssel wegen der jüngsten Veränderungen in Washington tief besorgt sind, lobt der CSU-Chef in einem Interview die Konsequenz und Geschwindigkeit, mit der Donald Trump seine Wahlversprechen „Punkt um Punkt“ umsetze. Kein Wort zu den schlimmen Konsequenzen, die Trumps Kurs für Arbeitsplätze in Deutschland sowie für die europäische Sicherheit haben kann.

Stattdessen biedert sich Seehofer bei AfD-Wählern an, die von einem vermeintlich starken, schnell entscheidenden Mann die Lösung aller Probleme erwarten. Wieder einmal fällt Seehofer damit Angela Merkel in den Rücken – ungeachtet der gleichzeitig bekundeten Bereitschaft, die CDU-Chefin zur gemeinsamen Kanzlerkandidatin zu machen.

Dieses Zündeln an den Grundlagen der europäischen Politik sollte sich für Seehofer nicht auszahlen. Denn erstens geht die Mehrheit der Deutschen klar auf Distanz zum neuen Stil Trumps. Seehofer Lob ist daher unpopulär. Und zweitens dürfte die CSU mit solch durchsichtigen Manövern auch am rechten Rand nicht punkten können. Da ist man noch viel härtere Töne gewohnt.

Außerdem regiert die CSU seit Jahrzehnten allein in Bayern. Ihre Führung ist geradezu ein Sinnbild für politisches Establishment. Dagegen kommt der neue US-Präsident von außen, er repräsentiert Wut, Angst und Protest gegen scheinbar fest gefügte Machtstrukturen. Einen solchen Politikertypus sollte eine bayerische „Staatspartei“ wie die CSU schon im eigenen Interesse innenpolitisch fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Entsprechend unklug, ja abwegig ist es, wenn ausgerechnet der CSU-Chef von Annäherungen an einen Populisten wie Trump profitieren will, der Parteien verachtet, keine Moral kennt und Verbündete brutal vor den Kopf stößt.

Zwar muss Trumps Wahl selbstverständlich respektiert werden. Auch gilt es für Deutschland, sich außenpolitisch auf Augenhöhe mit der neuen US-Regierung irgendwie zu arrangieren. Doch deren nationalistischer Ansatz ist politisch und wirtschaftlich zutiefst gefährlich. Daher sollten führende Politiker auch der CSU alles gegen ein Überschwappen von Trumps Denken nach Europa unternehmen. Nur so lässt sich ein europäischer oder gar deutscher Trump langfristig verhindern.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)