Gerhard Schröder hatte es als Kanzler seiner Partei nie leicht gemacht. Viele Genossen gewannen zeitweise den Eindruck, er fühle sich Managern näher als den Malochern. Andererseits war und ist Schröder ein begnadeter Wahlkämpfer – also ein Politikertyp, den die SPD gerade jetzt dringend gebrauchen könnte.

Dies erklärt auch die peinliche Betroffenheit, mit der führende Sozialdemokraten auf den geplanten weiteren Karriereschritt Schröders in der russischen Energiebranche reagieren. Sie sind zu Recht frustriert. Denn mit einem treuen Gefolgsmann Putins lässt sich hierzulande nicht punkten. Das ist für die SPD vor einer für sie schwierigen Bundestagswahl doppelt ärgerlich.

Aber die Partei sollte es akzeptieren und sich deswegen auch nicht weiter rechtfertigen. So wirkt es schon etwas befremdlich, wenn SPD-Chef Martin Schulz Schröder zwar nicht öffentlich kritisieren will, jedoch gleichzeitig für sich einen ähnlichen späteren Wechsel ausschließt. Erstens ist Schulz ein vergleichbarer Posten nicht in Aussicht gestellt oder gar angeboten worden. Und zweitens müsste er dafür erst einmal Kanzler werden. Und selbst wenn dies gelingen sollte: Schulz dürfte wohl eher für Konferenzsäle als für Konzernzentralen der passende Mann sein.

Unabhängig davon: Die heutige SPD kann für den heutigen Schröder nicht in Sippenhaft genommen werden. Der Altkanzler darf als Pensionär nun mal machen, was er will – so politisch anrüchig sein neuer Job auch sein mag. Ebenso klar ist jedoch auch, dass die Bürger ihn damit endgültig unter der Rubrik Vergangenheit und Zeitgeschichte abhaken können.

Insofern sollten Äußerungen Schröders zu heutigen Politikthemen künftig nicht mehr sonderlich ernst genommen werden. Zu eng wirkt er nun mit den Interessen Russlands verbunden. Schließlich ist Rosneft kein Unternehmen wie irgendeine private Aktiengesellschaft aus Frankreich oder den USA. Der russische Ölkonzern wird von der Regierung in Moskau mit gesteuert. Im Übrigen steht Rosneft nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 auf der Sanktionsliste der EU.

Wäre Schröder für ein „normales“ Unternehmen tätig, sähe vieles anders aus. Doch so gilt auch für ihn wie für jeden anderen Politiker im Westen: Ohne Unabhängigkeit vom Kreml keine Glaubwürdigkeit im Heimatland.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)