Niemand durfte erwarten, dass Nordkorea umgehend und jubelnd auf amerikanische Gesprächsangebote reagieren würde. Dafür hat das Regime von Kim Jong Un viel zu viel in sein Nuklearprogramm investiert: Kim hält Atomwaffen für seine politische Überlebensgarantie.

Dennoch sind die jüngsten Äußerungen von US-Außenminister Rex Tillerson in Peking über vorhandene Kommunikationskanäle nach Pjöngjang ein Hoffnungszeichen, dass es wegen des Konflikts nicht zum Krieg kommen muss. China will eine militärische Eskalation unter allen Umständen verhindern. Und Washington lernt jetzt augenscheinlich den Wert einer engeren Abstimmung mit Peking schätzen – für den selbstherrlichen Donald Trump keine einfache Erfahrung.

Der US-Präsident muss akzeptieren, dass er die Welt nicht durch einsame Entscheidungen im amerikanischen Sinne verändern kann. Vielmehr braucht er Partner, in diesem Fall die Chinesen. Nur mit ihnen gemeinsam lässt sich der Nordkorea-Konflikt lösen oder wenigstens entschärfen.

Letzteres ist vorrangig. Die internationale Gemeinschaft muss Zeit gewinnen, um ein nukleares Aufrüsten in Nordkorea und am Ende in der ganzen Region zu verhindern. Denn kurzfristig scheint Kim nicht zum Einlenken bereit. Er vertraut keinen amerikanischen Zusicherungen oder internationalen Garantien. Von ihnen möchte er nicht den Bestand seines Regimes abhängig machen.

Das Schicksal von außen gestürzter Diktatoren – man denke hier an Saddam Hussein oder Gaddafi – hat Kim gelehrt, dass Gewaltherrschern am Ende nicht Worte sondern nur Waffen Schutz bieten. Deshalb ist nicht davon auszugehen, dass Nordkorea sein bereits entwickeltes Nukleararsenal auf Grund von Verhandlungen tatsächlich beseitigen wird. Gleichwohl ist es allemal besser, die Kontrahenten reden miteinander statt sich offen militärisch zu bedrohen. Zu groß wäre sonst die Gefahr einer unkontrollierbaren Eskalation mit fürchterlichen Folgen.

Dies heißt nicht, sich mit dem Atomprogramm dauerhaft abzufinden. Aber die eingeleiteten und dank Chinas Beteiligung mittlerweile auch harten Sanktionen brauchen Zeit, um in Nordkorea die gewünschte Wirkung zu entfalten. Und in dieser Zeit muss auch das Weiße Haus auf Diplomatie statt auf militärische Drohgebärden setzen. Hierfür könnte und sollte Tillersons Besuch in Peking den Auftakt bilden.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)