Dieser G7-Gipfel dürfte leider historisch werden: als vorläufiger Schlusspunkt der westlichen Partnerschaft in Handels- und Wirtschaftsfragen. US-Präsident Trump hat die Zusammenarbeit durch seine einseitige Zollpolitik de facto aufgekündigt. Sein America First wird zur Fanfare für amerikanischen Nationalismus und Isolationismus. Dagegen helfen keine Beschwichtigungen oder Zugeständnisse. Die übrigen sechs Staaten müssen stattdessen in Kanada gemeinsam für sich neue Perspektiven entwickeln, ohne länger auf die USA zu hoffen oder Rücksicht zu nehmen.

Am weitesten scheint hier wieder einmal Frankreichs Staatschef Macron zu ein. Dessen Kritik an Trump im Vorfeld des G7-Gipfels war ebenso ungewöhnlich wie drastisch. Dieser Weckruf sollte auch Kanzlerin Merkel dazu bewegen, jetzt den Schulterschluss mit Macron zu suchen. Denn der Franzose hat Recht: Den Europäern, insbesondere auch den exportorientierten Deutschen, droht in Sachen Welthandel die Zeit davon zu laufen.

Trump schafft Fakten, während die Partner bislang im Wesentlichen nur reagieren. Das ist zu wenig, um die liberale Weltordnung zu sichern. Die Lösung kann nur in einer engeren Zusammenarbeit aller übrigen Akteure liegen. Sie könnten damit die notwendige wirtschaftliche Kraft aufbringen, um mit Washington auf politischer Augenhöhe zu verhandeln. Denn Trump kennt nur ein Gesetz: das der Stärke.

All dies darf jedoch nicht zu einer prinzipiellen Abkehr von der transatlantischen Partnerschaft führen. Die USA entfernen sich zwar momentan in atemberaubendem Tempo von bisherigen Grundlagen der internationalen Ordnung. Aber Amerikaner und Europäer teilen trotzdem immer noch die gleichen Werte von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat. Dies verbindet und wird auch die Trump-Präsidentschaft überdauern.

Insofern dürfen jetzt keine Türe zugeschlagen, keine Gesprächskanäle blockiert werden. Nur damit lässt es sich überhaupt rechtfertigen, dass Kanada den finanziell und personell aufwändigen G7-Gipfel organisiert. Denn niemand durfte im Vorfeld bei Trump eine ernsthafte Verhandlungsbereitschaft erwarten. Gleichwohl ist es sinnvoll, sich auf dieser höchsten Ebene mit den Amerikanern auszutauschen – und sei es aus Sicht der G-6 nur, um anschließend besser eine Gegenstrategie entwickeln zu können.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)