„Unzufriedenstellend“ nannte Angela Merkel die Ergebnisse des G-7-Gipfels zum Klimaschutz. Das ist noch sehr diplomatisch-zurückhaltend formuliert. Im Klartext: Das Treffen der Staats- und Regierungschef der sieben wichtigsten westlichen Industrienationen war insgesamt ein Desaster. Verantwortlich dafür ist ein einziger Politiker: Donald Trump. Der US-Präsident trat in Sizilien engstirnig und arrogant auf, den Blick allein auf kurzfristige Interessen der USA gerichtet. Mit einem solchen Stil zerstört er die Basis gemeinsamen Handelns, von dem auch die Amerikaner stark profitieren.

Das einzig Gute: Die sechs anderen Staaten des G-7-Treffens knickten nicht vor Trump ein. Taktisch flexibel sein, aber strategisch Kurs halten – dies ist die angemessene Art, um auf den neuen Wind aus Washington zu reagieren. Zu einen sind die möglichen Folgen eines Richtungswechsels im Sinne Trumps schädlich, ja gefährlich. Man denke hier an den Klimaschutz, eine Aufweichung der NATO-Sicherheitsgarantien wegen angeblich zu geringer Verteidigungsetats oder auch an internationale Handelsschranken. Und zum anderen bleibt vorerst offen, was Trump am Ende tatsächlich verändern kann und will.

Die innenpolitische Stellung des US-Präsidenten wird angesichts von FBI-Ermittlungen zunehmend prekär. Selbst ein Amtsenthebungsverfahren wegen Behinderung der Justiz ist inzwischen denkbar geworden. Auf mittlere Sicht könnte er daher zum Präsidenten auf Abruf werden. Schon deshalb sollten die Europäer auf bessere Zeiten setzen und sich jetzt nicht hinter Trump scharen.

Entscheidend ist, für alle zentralen Konfliktbereichen einen Plan B zu haben, der auch ohne die jetzige US-Regierung umzusetzen ist. So sollte beispielsweise eine „Koalition der Willigen“ die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens auch dann einhalten, wenn die USA aus dem Vertragswerk ausscheren.

Und in Sachen Sicherheit und Verteidigung heißt es ebenfalls, sich mehr auf die eigenen Kräfte zu verlassen. Das wird teuer und schmerzlich werden. Aber die Gefahr, im Ernstfall schutzlos und erpressbar dazustehen, ist durch einen sprunghaften US-Präsidenten wie Trump wieder denkbar geworden. Nicht einzelne Streitpunkte, sondern dieser generelle Verlust an Vertrauen und Berechenbarkeit ist das erschreckendste Ergebnis von Trumps erster Europareise.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)