Die verschärften US-Sanktionen gegen die Türkei gehen entschieden zu weit. Sie vertiefen gezielt die dortige Währungskrise und treffen vor allem die einfache Bevölkerung. Deren Leben verteuert sich massiv, eingegangene Kredite drohen zu platzen. Dagegen sitzt die politische Klasse weiterhin fest im Sattel. So sind Präsident Erdogan und sein Clan gerade erst mit erweiterten Machtbefugnissen wiedergewählt worden.

Hinzu kommt, dass die Türkei Mitglied der NATO ist, sich um einen Beitritt in die Europäische Union bemüht und mit der westlichen Wirtschaft eng verwoben ist. Wer einen solch engen Verbündeten in den Bankrott treiben will, handelt unklug und verantwortungslos.

Doch dies scheint für Trump momentan keinerlei Rolle zu spielen. Er verhält sich gegenüber der Türkei derart rüde und herrisch, als sei diese ein erbitterter Feind der USA und nicht ein jahrzehntealter militärischer Partner. Er handelt hier leider nach dem gleichen kurzsichtigen Muster wie kürzlich gegenüber NATO und EU: America first – egal um welchen Preis.

Damit mag Trump zu Hause bei seinen Anhängern zwar Eindruck schinden, aber Erdogan wird deswegen kaum klein beigeben. Beide Präsidenten sind politisch aus gleichem Holz geschnitzt: zu tiefst autoritär, selbstgerecht und von ihrer nationalistischen Mission überzeugt. Einlenken und Kompromisse gelten für sie nur als Schwäche und Niederlage. Das sind denkbar schlechte Voraussetzungen für eine vernünftige Lösung. Die Türkei droht damit außenpolitisch noch unberechenbarer zu werden, als sie es jetzt schon ist.

All dies ist gewiss keine Rechtfertigung für die desaströse Wirtschaftspolitik der Regierung Erdogan, von deren sonstigen Fehlern und Menschenrechtsverletzungen ganz zu schweigen. Das Land und seine Unternehmen sind viel zu hoch verschuldet, sie leben über ihre Verhältnisse. Und der Versuch des Präsidenten, die Krise durch Einflussnahme auf die Notenbank zu beenden, ist kläglich gescheitert.

Deren Unabhängigkeit bleibe gewahrt, versprach Erdogans Schwiegersohn und Finanzminister jetzt feierlich. Doch wird sich der Präsident tatsächlich daran halten? Und selbst wenn er dies täte: das Angst der Märkte, Investoren und Kreditgeber bleibt verständlicherweise groß. Erdogan kann daher nur durch Taten neues internationales Vertrauen bilden. Trump und die EU sollten ihm dabei aus eigenem Interesse helfen, statt die Krise von sich aus weiter zu befeuern.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)