Seite auswählen

Es geht also doch. Dass US-Präsident Trump nun erst Anfang Juni über die Verhängung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium entscheiden will, ist ein Erfolg für die EU. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Brüssel muss jetzt nachlegen, um Trump einen gesichtswahrenden Rückzieher von seinen ursprünglichen Plänen zu ermöglichen. Die Senkung der Einfuhrabgaben auf ausgewählte amerikanische Produkte wäre eine solche Maßnahme. Auch die hiesigen Verbraucher und Unternehmen könnten davon profitieren.

Als erster Schritt könnten beispielsweise die EU-Zölle auf importierte Autos aus den USA verringert werden. Hier beträgt der aktuelle Satz immerhin zehn Prozent, während die Amerikaner im Gegenzug nur 2,5 Prozent erheben. Das ist unverständlich, zumal die europäischen Kraftfahrzeuge – allen voran die deutschen – nun wirklich nicht vor der Konkurrenz aus den USA geschützt werden müssen. Dafür sind sie qualitativ einfach zu gut und entsprechend international begehrt.

Gewiss, Trumps rüder Stil in der Handelspolitik ist zu verurteilen. Andererseits haben auch die Europäer bei einer Eskalation viel zu verlieren. Und langfristig streben sie ohnehin niedrigere Zölle im Austausch mit den Vereinigten Staaten an. Man denke hier nur an die letztlich von Trump auf Eis gelegten Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP an. Jetzt bietet sich nun quasi über die Hintertür eine Chance, auf anderem Wege wieder in derartige Gespräche einzusteigen. Denn klar ist: Wenn die EU bei Zöllen Zugeständnisse macht, muss sich auch die Gegenseite – sprich das Weiße Haus – entsprechend bewegen.

Offenkundig haben die Argumente der Europäer in den vergangenen Tagen Wirkung gezeigt. Sonst hätte sich Trump wohl kaum zu dieser Schonfristverlängerung bereit gefunden. Seine bisherige Rhetorik und seine Weltanschauung sprachen gegen ein solches Einlenken. Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er keine plötzliche Kehrwende vollziehen könnte. Voraussetzung: Er hätte klare Vorteile davon. Und die gibt es beim aktuellen Handelskonflikt in Form von mehr Geschäften und sichereren Arbeitsplätzen reichlich. Es liegt im ureigenen Interesse der Europäer, ihren amerikanischen Partnern diesen Zusammenhang immer und immer wieder zu verdeutlichen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)