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Es gibt viele Gründe, die europäische Einigung zu unterstützen. Einer sind die großen Wohlstandsgewinne durch den gemeinsamen Binnenmarkt. Die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung liefert dafür reichlich Datenmaterial.

Sie kommt gerade rechtzeitig zur bevorstehenden Europawahl. Denn allen Skeptikern und Kritikern der EU wird hier noch einmal drastisch vor Augen geführt, welch handfeste Vorteile das angeblich so schreckliche „Bürokratie-Monster Brüssel“ für jeden Einzelnen mit sich bringt. Wer betont antieuropäische Parteien und Kandidaten wählt, schadet sich daher in materieller Hinsicht selbst – von weitergehenden Aspekten wie Friedenswahrung und mehr Sicherheit ganz abgesehen.

Gewiss, der finanzielle Nutzen ist je nach Nationalität und Region unterschiedlich hoch. Doch selbst in einem relativ ungünstigen Fall überwiegen nach Erkenntnis der Wissenschaftler die positiven Effekte einer EU-Mitgliedschaft. Die Europäer sollten stolz und dankbar dafür sein. Denn von einer solch guten politischen und wirtschaftlichen Leistungsbilanz können Menschen in anderen Teilen der Welt nur träumen.

Natürlich gibt es in der EU auch viele Probleme und Ungerechtigkeiten. Über passende Lösungen muss jetzt im Wahlkampf selbstverständlich heftig gestritten werden. Nur so können sich die Bürger ein Urteil bilden, wer ihre Interessen am ehesten vertritt und wem sie daher am 26. Mai ihre Stimme geben sollten.

Allerdings sollte jedem in der Wahlkabine klar sein: Ohne die EU wäre fast alles dramatisch schlechter. Sie ist gleichsam der Ast, auf dem gerade die Deutschen gut und geschützt sitzen. Einen solchen Ast sägt man nicht ab – es sei denn, Vernunft und Augenmaß sind wie momentan in Großbritannien durch vielerlei Lügen und Selbsttäuschungen außer Kraft gesetzt worden.

Im Vereinigten Königreich haben laut Bertelsmann-Studie auch Regionen für den EU-Austritt gestimmt, die am stärksten vom Binnenmarkt profitierten. Ein Beispiel ist die südenglische Region Kent. Unkluger und selbstzerstörerischer können Bürger kaum votieren. Entsprechend groß sind jetzt Chaos und Ratlosigkeit in London. Das sollte den Wählern in anderen EU-Staaten Warnung und Mahnung zugleich sein. Sein. Sie sollten das Erreichte festigen und verbessern helfen, aber keinesfalls leichtfertig aufs Spiel setzen. Denn das könnte ein böses Erwachen geben.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)