Die ersten Tage von Donald Trumps Präsidentschaft verliefen erschreckend. Der neue Chef im Weißen Haus zeigt nicht das geringste Interesse, die Nation zu einen. Und wohl niemand hätte sich bislang vorstellen können, dass ein amerikanischer Präsident gleich zu Beginn seiner Amtszeit die Medien derart massiv einzuschüchtern versucht und offensichtliche Lügen als „alternative Fakten“ schönreden lässt.

Die Botschaft Trumps dahinter: Wer mein Verhalten hinterfragt oder gar kritisiert, wird mit allen Mitteln bekämpft. Er sei im Krieg mit den Medien, sagt Trump. In diesem Ton sprechen über die freie Presse sonst nur Diktatoren. An ihnen scheint sich der neue US-Präsident mehr zu orientieren als an den amerikanischen Verfassungsvätern. Das ist ein Bruch mit den besten Traditionen, auf die alle US-Bürger zu Recht stolz sind. Nur Trump nicht. Der ist wohl einzig und allein auf sich stolz – und vielleicht noch auf sein zusammengerafftes Geld. Ein erbärmliches Bild.

Die von Trump so heftig angegriffenen Medien dürften sich zu wehren wissen. Man darf davon ausgehen, dass die renommiertesten Zeitungen und Fernsehsender der USA spätestens jetzt ihre besten und größten Reporterteams auf seinen Fall ansetzen – im Dienste der eigenen Ehre, der Demokratie, aber auch der ganz großen Story, für die Enthüllungen über einen amtierenden Präsidenten idealen Stoff bieten würden.

Trump sollte sich nicht zu sicher fühlen. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Die US-Medien sind berühmt für ihren investigativen Journalismus – Stichwort Watergate und erzwungener Rücktritt des seinerzeitigen Präsidenten Richard Nixon. Die Enthüllungsplattform Wikileaks ermuntert bereits mögliche Informanten, ihr die Steuererklärung Trumps zuzuspielen. Deren Veröffentlichung hatte der Präsident im Wahlkampf versprochen, rückt davon jetzt aber mit fadenscheinigen Gründen wieder ab. Hat Trump etwas zu verbergen? Angesichts der Vorgeschichte gibt es hier viele Spekulationen.

Die Europäer sollten durch die jüngsten Ereignisse gewarnt sein. Sie müssen Trump mit Stärke und Selbstbewusstsein begegnen, ihm notfalls energisch die Stirn bieten. Eine andere Sprache versteht dieser Präsident nicht. Die bewährte transatlantische Zusammenarbeit, Solidarität und Wertegemeinschaft gerät damit in ihre schwerste Belastungsprobe seit Jahrzehnten.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)