Die rechtsradikalen Übergriffe im amerikanischen Charlottesville waren  fraglos kriminell und eine Schande für die USA. Und sie stehen im scharfen Widerspruch zu den Werten der amerikanischen Demokratie. Donald Trump hat dafür jetzt öffentlich die richtigen Worte gefunden. Das ist gut und sollte für einen Präsidenten eigentlich selbstverständlich sein.

Aber bei Trump ist leider alles anders. Er verletzt die üblichen Spielregeln häufig und bedenkenlos. Das gilt auch für seine skandalösen Verbindungen zur extremen Rechten. In der Kandidaturphase war diese Nähe zu Ultranationalisten berüchtigt. Diese bejubelten, finanzierten und wählten ihn. So etwas verpflichtet. Hat Trump deshalb so lange mit einer passenden Reaktion auf die Vorfälle in Virginia gewartet?

Zumindest liegt die Befürchtung nahe, denn der Präsident möchte seine Anhänger bei Laune halten. Zu ihnen hatte augenscheinlich auch der Attentäter gehört, der in der kleinen Uni-Stadt Charlottesville einen Menschen tötete und viele weitere verletzte. Allein dies zeigt schon, auf welch dünnem, gefährlichem Eis sich der Präsident mit dem Hofieren von Rechtsextremen und deren Ideologie bewegt.

So richtig deshalb die jetzigen Worte Trumps zum Vorfall in Virginia auch waren, sie dürfen erst der Anfang einer Rückkehr zu mehr Normalität und Anstand im Weißen Haus sein. Natürlich ist es illusorisch, von diesem Präsidenten die Moral und Prinzipientreue von Vorgängern wie Ronald Reagan, George Bush senior oder Barack Obama zu erwarten. Trump ist Trump – ein Mann, der rücksichtslos nur seinen persönlichen Erfolg im Blick hat. Doch eben diese Eigenschaft ließ ihn jetzt auch erkennen, dass er in Sachen Charlottesville neue Töne anschlagen musste.

Trumps generelle Lernneigung mag ja noch so beschränkt sein, seine politische Wendetechnik um des eigenen Vorteils willen ist es nicht. Man kann daher durchaus hoffen, dass Trump seinen neuen Kurs gegenüber den Rechtsaußen verstetigt. Weiterer und symbolträchtiger Schritt sollte die Entlassung seines heftig umstrittenen Chefberaters Stephen Bannon sein. Dieser zählt zu den wichtigsten Ideologen im rechtsradikalen und ultrakonservativen Milieu. Solch ein geistiger Brandstifter gehört auf eine einsame Insel und nicht auf eine Schlüsselposition im Weiße Haus.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)