Kaum Anerkennung, hohe familiäre Belastung, beruflich allzu schnell auf dem Abstellgleis – die Lage vieler Alleinerziehender ist bedrückend. Hinzu kommt ein hohes Armutsrisiko, wie die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts bestätigen. Wenn sich der frühere Partner – zumeist der Mann – dann auch noch seinen Unterhaltspflichten entzieht, droht das finanzielle Chaos. Hauptleidtragende sind die Kinder, denen auf diese Weise wichtige Entwicklungsmöglichkeiten beschnitten werden.

Dass der Staat jetzt durch Unterhaltsvorschüsse vermehrt in Vorleistung tritt, ist eine sinnvolle Investition in die Zukunft. Im Jahr 2017 waren dies laut Bundesregierung immerhin 1,1 Milliarden Euro. Bedenklich bleibt jedoch, dass von dieser Summe im gleichen Zeitraum nur 209 Millionen Euro von den säumigen Zahlern zurückgefordert wurden. So leichtfertig und unkontrolliert darf mit Steuergeldern nicht umgegangen werden.

Die betreffenden Mittel könnten an anderer Stelle viel Positives gerade für Alleinerziehende bewirken. Man denke hier etwa an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Viele gut qualifizierte Mütter wünschen sich die Rückkehr ins Arbeitsleben. Doch ohne eine geeignete Kinderbetreuung bleibt dies ein bloßer Wunschtraum.

Der weitere Ausbau von Kitas und Ganztagesschulen würde allen Familien helfen, besonders aber alleinerziehenden Müttern und Vätern. Leider sind die dafür erforderlichen Steuergelder knapp. Vor diesem Hintergrund ist es umso notwendiger, die staatlichen Vorleistungen bei den Unterhaltszahlungen konsequent einzutreiben.

Fast noch wichtiger ist, dass sich auch die private Wirtschaft stärker als bisher mit den Alleinerziehenden befasst. Dieser Personenkreis braucht flexible Modelle der Arbeitsplatzgestaltung. Job und Kinderbetreuung müssen auch bei kleineren Firmen praktisch vereinbar werden. Dies dürfte nicht immer ganz einfach sein. Es setzt bei allen Beteiligten Flexibilität, Phantasie und guten Willen voraus.

Doch der Einsatz lohnt sich. Denn im Erfolgsfall gewinnen alle: die Alleinerziehenden sichern den eigenen Lebensunterhalt, die Kinder entrinnen der Armutsfalle mit all ihren negativen Folgen, und die Betriebe erschließen sich ein zusätzliches Reservoir an leistungsbereiten Arbeitskräften. Das ist soziale Marktwirtschaft in ihrem besten Sinne.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)