Sicherheit hat ihren Preis. Dies gilt für alle Bereiche, auch den militärischen.  Das neue Personalkonzept für die Bundeswehr sollte deshalb unvoreingenommen geprüft werden. Die zusätzlichen Kosten mögen manchem zu hoch erscheinen; auch andere staatliche Aufgaben wollen schließlich finanziert werden. Aber die veränderte internationale Lage und die gestiegenen Erwartungen der NATO und UNO an Deutschland zwingen die Verteidigungsministerin zu tiefgreifenden Veränderungen. Und die kosten zwangsläufig mehr Geld und Personal.

Die vielen Auslandseinsätze sind mit der gegenwärtigen Personalstärke auf Dauer nicht leistbar, zumal sich auch in Europa neue Herausforderungen stellen. Spätestens seit der russischen Besetzung der Krim ergeben sich neue Verpflichtungen innerhalb der NATO. So wächst speziell im Baltikum und in Polen die Sorge vor politisch-militärischem Druck aus Moskau. Noch befürchtet dort niemand ernsthaft, dass es kurz- oder mittelfristig zu gewaltsamen Aktionen kommen könnte. Gleichwohl werden ungute historische Erinnerungen wieder wach. Darauf muss die NATO reagieren und für ihr Bündnisgebiet ein Klima der Sicherheit schaffen. Hierzu hat jetzt auch die Bundeswehr einen größeren Beitrag als bisher zu leisten.

Gutes Personal ist teuer. Das wird Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen noch sehr zu spüren bekommen. Denn die zusätzlich benötigten Kräfte müssen häufig über Fach- und Computerkenntnisse verfügen, die auch auf dem privaten Arbeitsmarkt stark nachgefragt sind. Die Bundeswehr braucht attraktivere Rahmenbedingungen, um sich auf dem Stellenmarkt gut zu behaupten.  Schon deshalb darf die zeitliche Belastung der einzelnen Soldaten bei Auslandseinsätzen nicht weiter überhand nehmen. Auch hier gilt es, Familie und Beruf besser miteinander in Einklang zu bringen. Sonst dürften am Ende immer weniger der Besten eines Jahrgangs den Dienst in der Truppe antreten wollen.

Entscheidend ist eine neue personelle Kontinuität und Qualität, wie sie von der Leyen plant. Die Soldaten brauchen über Jahre hinweg verlässlichere Rahmenbedingungen, um ihre schwierigen und gefährlichen Aufgaben zu meistern. Das wird die Personalkosten im Verteidigungsetat ebenso dauerhaft ansteigen lassen wie die Aufwendungen für Gerät und Material. Daran würde im Übrigen auch eine Rückkehr zur Wehrpflicht nichts grundsätzlich ändern – eine Maßnahme, an die ohnehin kaum noch jemand in  Berlin politisch zu denken wagt.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)