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Während die US-Regierung der EU wegen Subventionen für Airbus mit Strafzöllen droht, findet gleichzeitig in Brüssel der chinesisch-europäische Handelsgipfel statt: plakativer könnte die Verschiebung der internationalen Gewichte aus hiesiger Sicht kaum sein. Peking wirbt mit durchaus heiklen Mitteln um mehr Zusammenarbeit und Geschäfte. Dagegen zeigt der alte Verbündete USA der Europäischen Union wirtschaftlich und politisch die Krallen – sie muss fürchten, am Ende zwischen alle Stühle zu geraten.

Da hilft in Brüssel nur eines: Fest zu den eigenen Interessen und Prinzipien stehen, sprich: auf faire Regeln zu pochen und sich weder erpressen noch einseitig ausnutzen zu lassen. Leider hat sich die EU damit in der Vergangenheit nicht hervorgetan.

Die ungleichen Wettbewerbsbedingungen auf dem chinesischen und weltweiten Markt, die Sorge vor systematischem Transfer bei Zukunftstechnologien, neue Abhängigkeiten durch politisch gesteuerte Investitionen – Stichwort Neue Seidenstraße -, Menschenrechtsverletzungen: all dies gehört seit Jahren zu den westlichen Kritikpunkten gegenüber Peking. Die dortige Führung reagiert hinhaltend. Sie macht zwar immer wieder Versprechungen und schriftliche Zusagen. Aber bislang ändert sich wenig.

Ein echtes Umdenken in Richtung fairer Partnerschaft ist nicht einmal in Ansätzen erkennbar. Stattdessen werden die Europäer mit lukrativen Geschäften und Investitionen am goldenen Zügel geführt. Am Ende könnten ein wirtschaftlicher Ausverkauf und technologische sowie sicherheitspolitische Abhängigkeiten stehen – eine Gefahr, die auch die Amerikaner alarmiert.

Umso bedauerlicher, dass EU und USA nicht beide gemeinsam auf Veränderungen zum Positiven dringen. Schuld daran ist Präsident Trump, der gegenüber der EU ähnlich harte Bandagen wie im Konflikt mit China anlegt. Dazu gehört auch die jüngste Androhung von Strafzöllen, um angeblich unlautere Wettbewerbsnachteile des Flugzeugbauers Boeing gegenüber dem europäischen Konkurrenten Airbus auszugleichen.

Die EU sieht sich damit handelspolitisch an zwei Fronten unter Druck. Die USA wiederum drohen sich zu verzetteln. Je früher deshalb wieder Ruhe in die transatlantische Kooperation kommt, desto eher ist auch ein Ausgleich auf Augenhöhe mit Peking möglich – zum Vorteil aller drei Beteiligten.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)