Stehen wir vor einer Neuauflage des schrecklichen Bosnienkriegs, der vor 20 Jahren Hunderttausende Tote und Verletzte sowie Millionen Flüchtlingen forderte? Die Sorge mag zunächst übertrieben wirken. Der Balkan scheint befriedet und ist weitgehend aus den internationalen Schlagzeilen verschwunden. Aber die Ruhe in Bosnien ist trügerisch, wie das jüngste, trotz Verbots durch das Verfassungsgericht abgehaltene Referendum in der Republik Srpska zeigt. Formal ging es zwar nur um die Beibehaltung eines Feiertags. Aber dieser hat es in sich, markiert er doch den Beginn des schrecklichen Mordens im Jahr 1992.

In Berlin und Brüssel sollten deshalb die Alarmglocken schrillen. Die EU kann sich keinen neuen Krisenherd in ihrer direkten Nachbarschaft leisten. Deshalb sollte auf friedliche Weise alles versucht werden, um die Teilrepublik der bosnischen Serben besser in den Gesamtstaat Bosnien-Herzegowina zu integrieren.

Mehr Rechtsstaatlichkeit und Wirtschaftswachstum heißen hier die Schlüsselworte. Die Lebensumstände der Bevölkerung müssen sich endlich so verbessern, dass die Menschen lieber den Blick nach vorn in Richtung EU richten als eine unselige Vergangenheit verklären, die letztlich die gesamte Region ins Unglück gestürzt hat. Und deren „Held“ aus Sicht vieler bosnischer Serben Radovan Karadzic ist, der vor wenigen Monaten vom Haager Kriegsverbrechertribunal wegen Völkermords zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Hinzu kommt: Je instabiler die Zustände in Bosnien bleiben, desto leichter kann sich der russische Präsident Putin als politischer Patron der bosnischen Serben aufspielen und die EU ganz nach Belieben in eine weitere Krise stürzen. Wie so etwas geht, demonstriert der Kremlchef auf bestürzende Weise im Ukrainekonflikt. Ein ähnliches Vorgehen Putins auf dem westlichen Balkan hätte für Europa und insbesondere für Deutschland eine noch größere Brisanz.

Umso wichtiger ist es, die Lunte rechtzeitig auszutreten, bevor sie das Pulverfass zur Explosion bringt. Die bosnischen Serben müssen im Interesse des Friedens – wie im Abkommen von Dayton vereinbart – Teil des Gesamtstaats Bosnien-Herzegowina bleiben. Dem jüngsten Referendum in Sachen Feiertag darf deshalb keinesfalls eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit der Republik Srpska folgen.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)