Da hilft kein Jammern und Klagen: Die EU muss sich auf einen massiven Handelskonflikt mit den USA einstellen. Eine solche Krise lässt sich leider nicht durch weitere gut gemeinte Appelle an die Vernunft beenden. Sie würden Donald Trump kalt lassen, wie er durch die Verhängung von Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte mehr als deutlich gemacht. Denn dieser US-Präsident hatte in seinem Wahlkampf scharfe Sanktionen gegen ausländische Unternehmen angekündigt, die Amerikanern angeblich Arbeitsplätze wegnehmen. Und Trump steht zu seinem Wort, selbst wenn es noch so falsch und gefährlich sein sollte.

Daher muss jetzt auch die EU Taten sprechen lassen, allerdings ohne sich selbst dabei zu beschädigen. Das wird nicht leicht werden. Jede faktische Eskalation des Konflikts würde auch die Europäer treffen. Umso wichtiger wird es sein, effektive Gegenmaßnahmen mit möglichst geringen Nebenwirkungen für die hiesigen Unternehmen und Arbeitsplätze zu ergreifen.

Eine Schlüsselrolle dürfte dabei die Kommunikation spielen. Denn Trump ist nur an einer Stelle wirksam zu treffen: dem eigenen Ego und der damit verbundenen Begeisterung seiner Anhänger. Hier gilt es anzusetzen. Trumps Wähler müssen hören und am eigenen Leib spüren, wie sehr ihnen der Präsident durch seine rücksichtslosen Alleingänge schadet.

Auch darf die große öffentliche Bühne nicht länger allein Trump überlassen werden. Die Chance dazu besteht in der kommenden Woche auf dem G7-Gipfel der führenden sieben westlichen Industrienationen in Kanada. Dort wird der US-Präsident fraglos wieder versuchen, seine große Show für die heimischen Fernsehnachrichten abzuliefern. Hier sollten insbesondere die Europäer demonstrativ gegenhalten.

Der spektakuläre Auftritt, in dem ein Präsident den „kleineren“ Partnern vor laufenden Kameras die Leviten liest, darf keinesfalls stattfinden. Stattdessen gilt es, Trump mit seinen eigenen kommunikativen Waffen zu schlagen: sprich mit der direkten Ansprache seiner Unterstützer. Denn hinter verschlossenen Türen haben die guten Argumente zu Gunsten des freien Welthandels bei Trump keinerlei Resonanz gefunden. Nun muss die EU eben öffentlich in den USA um die Deutungshoheit der jüngsten Ereignisse kämpfen – mit dem Ziel, Trump von einer weiteren Eskalation abzuschrecken.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)