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Menschlich ist der Rücktritt von Jim Mattis als US-Verteidigungsminister gut zu verstehen. Präsident Donald Trump hat den früheren General mehrfach desavouiert. Auch hält Mattis den von Trump überraschend verkündeten Abzug aus Syrien für einen schweren Fehler. Doch politisch ist der Rücktritt falsch, ja gefährlich. Denn es fehlt künftig eine wichtige und kompetente Stimme der Vernunft im Regierungsapparat.

Gewiss waren die Möglichkeiten von Mattis, noch Schlimmeres zu verhüten, in letzter Zeit stark geschrumpft. Doch dies ist kein Grund zur ministeriellen Fahnenflucht. Denn bei einem Präsidenten wie Trump muss selbst die kleinste Chance genutzt werden, um positiven Einfluss zu nehmen. Deshalb hätte Mattis so lange wie irgend möglich im Amt bleiben und von dort aus für seine Positionen kämpfen sollen.

Auch in vermeintlich aussichtsloser Situation muss ein Minister pflichtschuldig ausharren, wenn nur dies den Interessen seines Landes dient. Dies gilt erst Recht, wenn es sich um einen früheren General handelt, der mit solchen Maximen aus seinem militärischen Berufsleben bestens vertraut sein sollte.

Nicht nur für die USA, sondern für den Westen insgesamt ist der Abgang von Mattis eine schlechte Nachricht. Denn es ist zu befürchten, dass sich die Konflikte in Afghanistan und im Nahen Osten wieder verschärfen werden. Russland, der Iran und die Türkei fühlen sich durch Trump leider zu Recht ermutigt, ihre Einflussgebiete in Syrien auszuweiten. Auch die Terroristen des Islamischen Staats könnten wieder erstarken.

Dagegen müssen die Kurden im Norden Syriens einen erneuten Angriff der türkischen Armee befürchten. Bislang waren sie als Verbündete der USA noch halbwegs vor solchen Attacken geschützt. Damit ist es vorbei, wenn die Amerikaner die Region verlassen haben.

Auch Israel muss sich fragen, was Trumps bisherige Freundschaftsbekundungen eigentlich noch wert sind. Denn der US-Präsident stärkt durch seinen Rückzugsbefehl die Feinde des jüdischen Staates. Das erhöht die Gefahr neuer militärischer Auseinandersetzungen in der Region.

Doch Trump scheint all dies nicht zu scheren. Solange ihn seine Anhänger weiterhin stützen, hat er offenkundig Narrenfreiheit. Und die nutzt er zum Nachteil der USA und ihrer Verbündeten hemmungslos aus.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)