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Zum Glück ist die laut Merkel „ernsthafte Störung“ während ihres Flugs zum G20-Gipfel in Argentinien glimpflich ausgegangen. Niemand kam persönlich zu Schaden. Doch unabhängig von der Ursache des Vorfalls: die indirekten Auswirkungen sind beträchtlich. Erstens fehlt wegen der verspäteten Ankunft der Kanzlerin wertvolle Zeit für Vermittlungsgespräche in der Ukraine-Krise. Denn bei der Lösung dieses Konflikts richten sich momentan alle Augen auf Merkel – ein großer persönlicher Vertrauensbeweis und zugleich eine starke politische Verpflichtung.

Und zweitens hat sich die Industrienation Deutschland mal wieder kräftig blamiert. Die Probleme bei der Flugbereitschaft bedeuten auch heftige internationale Rufschädigung. Die Tatsache, dass eine Kanzlerin wegen technischer Probleme der Regierungsmaschine nicht pünktlich zu einem sehr wichtigen Termin anreisen kann, dürfte im Ausland vielfach Spott und mitleidiges Lächeln auslösen. Für hiesige Firmen ist dies recht unangenehm. Ihnen wird es nun gewiss nicht leichter fallen, ihre Produkte „Made in Germany“ als besonders sicher und zuverlässig darzustellen. Der wirtschaftlichen Konkurrenz vor allem aus Asien kann dies nur recht sein.

Obendrein war dies leider nicht die erste Panne bei der Flugbereitschaft und der Kanzlermaschine „Konrad Adenauer“, so zuletzt Mitte November, als es Probleme an einem Triebwerk des 20 Jahre alten Airbus A340 in Südafrika gab. Alles nur Zufall? Mag sein, aber zumindest sollte vor besonders wichtigen Terminen wie jetzt in Argentinien eine Reserve vorgehalten werden. Dass die Kanzlerin erst nach einer außerplanmäßigen Übernachtung mit verkleinertem Tross per Linienflug weiterreisen kann, muss organisatorische Konsequenzen haben.

Merkel bleibt nichts anderes übrig, als den unangenehmen Vorgang schnell zu verdrängen. Dafür steht auf dem G20-Gipfel zu viel auf dem Spiel. Allein schon Klimaschutz sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China sind Megathemen. Und spätesten seit der Absage des Treffens von US-Präsident Trump mit Kremlchef Putin hängt es wesentlich von Merkel ab, ob Russland und die Ukraine wieder ins Gespräch miteinander kommen. Für Stabilität und Frieden in Europa ist dies von herausragender Bedeutung.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)