Selten war eine Kandidatenkür in Frankreich so wichtig wie jetzt bei den Konservativen. Denn der Sieger der Stichwahl zwischen François Fillon und Alain Juppé dürfte nach heutigem Stand 2017 neuer Pariser Staatspräsident werden. Von ihm wird ganz wesentlich abhängen, wie die EU auf die Voten für Brexit und Trump reagiert – mit Augenmaß und Reformen oder mit Ideologie und Innehalten.

Dass der frühere Amtsinhaber Nicolas Sarkozy am kommenden Sonntag nicht mehr antreten darf, sollte niemand bedauern. Es bestätigt eines: Auch die Franzosen wollen einen grundlegenden Wechsel von Politik und Politikern. Sarkozy war als Präsident eine einzige Enttäuschung: zu sprunghaft, zu eitel, zu erfolglos. Schon wegen dieser düsteren Vergangenheit wirkte seine Kampagne wenig überzeugend. Außerdem standen seine Persönlichkeit und das neue rechtspopulistisches Programm dem Comeback entgegen. Sarkozy verwischte inhaltlich die Grenzen zum Front National. Viele Franzosen dürften sich gefragt haben, weshalb sie eigentlich die Kopie statt das rechtsextreme Original Marine Le Pen wählen sollten.

Inwieweit der Front National von Sarkozys Niederlage profitiert, ist offen. Fillon könnte ein viel stärkerer Gegner werden. Denn er ist zweierlei: Ein Rechter, der vieles radikal ändern möchte. Und ein seriöser Konservativer, der Wähler der Mitte bis hin zur demokratischen Linken ansprechen kann – sofern bei der Präsidentenwahl im Mai die Gegnerin Le Pen heißt.

Dagegen ist Alain Juppé, der Konkurrent von Fillon bei der Stichwahl der Konservativen am Sonntag, in erster Linie eines: gemäßigt. Ihm fehlt das radikal Neue, das Fillon ausstrahlt. Aus europäischer Sicht wäre Juppé damit zwar erste Wahl. Doch in Zeiten von Brexit und Trump weht der Wind des Wechsels stark bis hin zu stürmisch. Da sind härtere Naturen als Juppé im Vorteil.

Vor diesem Hintergrund wäre die EU mit Fillon im Präsidentenamt schon gut bedient, zumal er die Wirtschaft des Landes deutlich liberalisieren möchte. Das verspricht mehr Wettbewerb und Wachstum. Auch dürfte Fillon die deutsch-französische Zusammenarbeit trotz seiner europaskeptischen Grundhaltung letztlich in bewährter Weise fortführen – eine wichtige Voraussetzung für mehr Sicherheit und Stabilität auf dem Kontinent.

(Für Pressekorrespondenz Berlin)